Nach Waldbrand Lübtheen: Backhaus fordert nationale Strategie für munitionsbelastete Wälder

10. September 2019
Quelle:
MLU MV/Fordaq
Besucher:
73
  • text size

Vor einigen Tagen fand die Dankesfeier für die Einsatzkräfte zur Bekämpfung des Brandes auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Lübtheen statt. In diesem Zusammenhang dankte Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus den Einsatzkräften und zog Bilanz zum Brandgeschehen.

Der Minister informierte, dass der Brand bei Lübtheen eine Fläche von rund 950 Hektar Wald erfasste. Betroffen gewesen seien vor allem hohe mittelalte und alte Kiefernbestände. „Da wir es überwiegend mit einem Bodenfeuer zu tun hatten, sind vor allem Wurzelbereich und Rinde in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Forstleute gehen deshalb davon aus, dass fast alle Bäume in den nächsten Jahren noch absterben werden“, prognostizierte Backhaus. Es sei mit stärkerem Insektenbefall zu rechnen, zudem habe die Zerstörung des Bodenbewuchses die Wasserspeicherfähigkeit des Waldbodens verringert.

Die Flächen des ehemaligen Truppenübungsplatzes Lübtheener Heide sind vollständig als Nationales Naturerbe und in weiten Teilen auch als Kernzone des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe MV ausgewiesen. Eine Wiederbewaldung erfolge deshalb überwiegend durch die natürliche Rückkehr der typischen Pflanzen-und Tierarten (Sukzession). Forstexperten gehen davon, dass sich der überwiegende Teil des betroffenen Gebietes innerhalb eines Jahrzehnts wieder regeneriert hat. Auf den Sandstandorten könne es allerdings auch Bereiche geben, die zunächst für einen längeren Zeitraum nur mit anspruchslosen Gräsern und Zwergsträuchern besiedelt werden.

Der ehemalige Truppenübungsplatz Lübtheener Heide ist für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich. Etwa 5.300 Hektar der ca. 6200 ha großen Bundesliegenschaft sind wegen der Einordnung in die Kampfmittelkategorie 4 seit 2016 durch die zuständigen Ordnungsämter gesperrt. Um die Bevölkerung der umliegenden Dörfer zu schützen, habe Backhaus im März 2019 ein Waldbrandschutzkonzept für die Lübtheener Heide vorgelegt, dieses müsse nun unverzüglich umgesetzt werden.

Im Kern sieht es vor, Flächen in einem Radius von 1.000 Meter um die Dörfer von Munition zu befreien und mit feuerhemmenden Laubbäumen, wie Roteichen oder Buchen neu zu bewalden. Ergänzt werden sollen diese Maßnahmen durch Tiefbrunnen als Löschwasserentnahmestellen und einen Waldbrandriegel an der auf dem Truppenübungsplatz befindlichen Ringstraße. So könnten Waldbrände aus dem Innenbereich des ehemaligen Truppenübungsplatzes bereits an der Ringstraße wirksam gestoppt werden.

Zudem habe das Brandgeschehen in Lübtheen einmal mehr deutlich gemacht, dass eine nationale Strategie der Brandvorsorge und -bekämpfung munitionsbelasteter Wälder erforderlich ist. Auf Initiative Mecklenburg-Vorpommerns werde sich deshalb die kommende Agrarministerkonferenz Ende September mit einem Antrag zum Thema Waldbrandbekämpfung in munitionsbelasteten Wäldern befassen.