Holzmenge, BaySF und Ilim Timber: Bayerische Säger diskutieren am Nockherberg

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IHB MK
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VHK Mitgliederversammlung 2013Am 27. September fand die Mitgliederversammlung des Bayerischen Sägewerksverbands auf dem Münchener Nockherberg statt. Sie bietet den Sägern alljährlich eine Diskussionsplattform für ihre Anliegen. Themen waren vor allem die geringe Holzmenge und die Klausner/Ilim-Verträge. Hier die wichtigsten Aussagen und Diskussionspunkte in der Zusammenfassung.

Lob an ProHolz Bayern

Peter FicklerEinleitend zur öffentlichen Sitzung lobte der VHK-Vorsitzende Peter Fickler die Arbeit von proHolz Bayern. Man sei permanent öffentlich präsent, sei es auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest oder mit der aktuellen Schauholz-Aktion in verschiedenen bayerischen Städten. „Verbraucher fragen zunehmend nach der Herkunft von Produkten“, sagte Fickler. Dem müsse man Rechnung tragen. Verstärkt müsse man zudem den Fokus auf die Speicherung von CO2 in Holzprodukten legen. Fickler verwies dabei beispielhaft auf die CO2-Footprint-Kampagne von proHolz Austria. Er rechnete vor, dass ein Bauherr, der in seinem Holzhaus 200 cbm Holz verbaut, so viel CO2 bindet, dass er dafür 1,5 Millionen Kilometer weit mit dem Auto fahren dürfte. Flächenstilllegungen seien deshalb kontraproduktiv. Fickler befürwortete das Modell der Kaskadennutzung und erntete dafür erwartungsgemäß Kritik vom Waldbesitz. An die Holzwerkstoffseite gerichtet sagte er andererseits, wenn stofflich genutztes Holz weniger Wert sei als Energieholz, dann werde es problematisch.

Warum der Privatwald kein Holz erntet

Sepp SpannDer Präsident des Bayerischen Waldbesitzerverbands Sepp Spann analysierte die aktuelle Situation der Waldbesitzer. Er prägte den Begriff der „Inwertsetzung“ von Holz. Dieser sei besser „Mobilisierung“. Die Holzmenge aus dem Privatwald sei nicht so hoch, wie die Abnehmerseite dies gern hätte. Die Entscheidung über Holzernte oder die Inanspruchnahme von Förderungen obliege jedoch dem einzelnen Waldbesitzer. Dies war einer von vier Gründen für die geringe Holzmenge aus dem Privatwald, die Spann anführte. Ein weiterer sei die geänderte Steuergesetzgebung für Waldbesitzer, die Einnahmen aus der Forstwirtschaft unattraktiv machten. Spann plädierte für Steuerermäßigungen ähnlich wie bei den Gastwirten. Der darauf folgende Investitionsboom hätte die Steuereinnahmen aus dem Gastgewerbe sogar erhöht. Ähnlich könne man auch die Holzernte im Privatwald ankurbeln. Dritter Grund sei die unsichere Situation am Kapitalmarkt. Ihretwegen würden nur Betriebe Holz ernten, die den daraus resultierenden Erlös unmittelbar wieder investieren können. Und viertens nährten Meldungen über anziehende Märkte z.B. in den USA die Hoffnung auf steigende Holzpreise. Der Waldbauer warte also lieber ab.

Spann äußerte die Hoffnung, dass mit der Umsetzung des Waldpakts ab 2015 die Einschlagsmenge steigen könnte. Außerdem begrüßte er, dass auch die Fichte wieder förderfähig sei, und bei Pflanzmaßnahmen nicht mehr ausgeschlossen werde.

Öffentlichkeitsarbeit des DeSH

Lars schmidtDer DeSH-Geschäftsführer Lars Schmidt informierte über die Aktivitäten des Bundesverbandes. Da viele Interessengruppen rund um die Forst- und Holzbranche aktiv sind, appellierte Schmidt an die Anwesenden, etwaige Gegenpositionen zwischen Forst und Holz aufzugeben. In Berlin habe man bereits die Kräfte von Sägeindustrie und Holzwerkstoffindustrie gebündelt, indem DeSH und AGR kooperierten. Als nächstes müsse der EOS, die Branchenvertretung der Säger in Brüssel gestärkt werden. Fernziel sei ein „Haus des Holzes“, eine Branchenvertretung für das gesamte Cluster Forst und Holz. Um die Betriebe vor Ort stärker zu erreichen, hat sich der DeSH regionalisiert. Es gibt jetzt fünf Regionalvertretungen für die Regionen Nord, West, Ost, Südwest und Bayern. Um die Anliegen der Branche auch der Bevölkerung nahe zu bringen wendet dich der DeSH jetzt verstärkt an die Publikumspresse. Das Presseecho können DeSH-Mitglieder im Onlinesystem des DeSH nachschauen. Dort gibt es einen Pressespiegel für die Publikumspresse. Aktuell hat sich der DeSH an der Ausgabe „Wälder“ der Kinder- und Jugendzeitschrift Geolino beteiligt. Lars Schmidt sagte dazu: „Sowohl der Verlag Gruner & Jahr als auch Greenpeace sitzen in Hamburg. Man stelle sich vor, wie das Heft aussehen würde, wenn wir uns nicht beteiligt hätten!“ So ist jetzt das Spiel „Deutschland sucht den Superförster“ enthalten, bei dem man als Förster alle Ansprüche an den Wald unter einen Hut bringen muss. Das Heft kann über den DeSH bestellt werden.

Druck auf BaySF wächst

Norbert RemlerDer Verkaufsleiter der bayerischen Staatsforsten Norbert Remler meldet erste Abschlüsse im Laubholz. Man sei hier seiner Verantwortung gerecht geworden und habe moderate Preisverhandlungen geführt und die Marktposition, die man zweifelsohne habe, nicht ausgenutzt.

Kritik übte Remler an den Aussagen Sepp Spanns. Die Inwertsetzung von Holz sei eine allgemeine Aufgabe. Durch die geringe Holzmenge aus dem Privatwald gerate die BaySF hinsichtlich der Holzversorgung der Sägewerke immer stärker unter Druck. Die Holzmenge lasse sich jedoch nicht weiter steigern. Betriebsschließungen unter den Sägewerken seien inzwischen an der Tagesordnung. Jedoch seien auch die BaySF der Nachhaltigkeit verpflichtet und könnten schlicht nicht mehr einschlagen. Derzeit liegt der BaySF-Einschlag bei 5,2 Mio. fm. Davon sind 3,1 Mio. fm Nadelstammholz und 180.000 fm Laubstammholz.

Während des Marktgesprächs übernahm Remler dann ungewollt die Hauptrolle. Aufgrund der anhaltenden Holzknappheit wurde mehr Holz für die Kleinsäger gefordert. Dies könne er erst ab 2017 liefern, „aus bekannten Gründen“, antwortete Remler. Das provozierte natürlich die Frage nach den Klausner/Ilim-Verträgen und warum man ausstehende Liefermenge nicht per Schadenersatzzahlung beglichen habe. Remler erläutere noch einmal, dass die Lieferungen lediglich aufgrund der Rechtslage in der bestehenden Form weitergeführt werden. Eine finanzielle Entschädigung wäre „betriebswirtschaftlicher Schwachsinn“ gewesen, und hätte Remler nach eigener Einschätzung wohl beruflich den Kopf gekostet. Nach 2017 werden die BaySF 300.000 fm zu Marktpreisen an Ilim liefern, so Remler weiter. Das Werk befinde sich im Fichtenoptimum Bayerns, sei also für die BaySF ein optimal gelegener Fichtenkunde, auf dessen Belieferung man nicht verzichten werde. Aber die Menge sei im Vergleich zu heute um 200.000 fm reduziert. Dementsprechend sei mehr Holz auch wieder für kleinere Säger verfügbar.

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