VDM erwartet 2019 stabile bis leicht steigende Umsätze

10. Januar 2019
Quelle:
VDM/Fordaq
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In einem schwierigen Marktumfeld wird sich die deutsche Möbelindustrie nach Einschätzung ihres Verbands VDM auch im gerade begonnenen Jahr 2019 behaupten. Die wesentlichen Faktoren dafür seien ein aufgrund einer positiven Konsumnachfrage, steigender Nettoeinkommen und robuster Baukonjunktur stabiler Inlandsumsatz. Zur Unterstützung der heimischen Branche hat der VDM im Herbst die Kampagne #zuhausesein gestartet.

Zudem werde die Branche mit Unterstützung des Verbandes das Exportgeschäft konsequent weiterentwickeln und zusätzliche Marktanteile in definierten Zielländern erobern. Die imm cologne / Living Kitchen setze wichtige Impulse und schiebe das Möbeljahr nachhaltig an. Die Doppelmesse sei das mit Abstand wichtigste Branchenevent des Jahres.

In einem verhaltenen Szenario rechnet der VDM mit einer Seitwärtsbewegung der Branchenumsätze. Ein solch verhaltenes Szenario beinhaltet deutliche Auswirkungen eines ungeregelten Brexits mit Exportrückgängen der deutschen Möbelindustrie nach Großbritannien um 25%. Dies würde dazu führen, dass alle übrigen Exportzuwächse egalisiert werden. In einem positiven Szenario ist insgesamt ein Umsatzanstieg von 1,5-2% dann möglich, wenn ein geregelter Brexit erfolgt und in Folge insgesamt ein solides Exportplus von um die 3-5% erzielt wird.

Nur Küchen- und Büro-, Laden- und Objektmöbel im Plus

Im schwierigen Jahr 2018 erzielte die deutsche Möbelindustrie ein Umsatzwachstum von rund 1%. Die erst im Spätherbst einsetzende leichte Belebung reichte insbesondere in den klassischen Wohnmöbelsegmenten nicht aus, die entstandene Lücke zu schließen. Einzig die Segmente Küche und Büro konnten sich von dieser Entwicklung positiv abheben.

Nach drei durchwachsenen Quartalen startete das vierte Quartal dann mit einem Umsatzplus von 8,3% im Oktober wieder positiv. Nach zehn Monaten – also bis einschließlich Ende Oktober – weist die Branchenstatistik ein leicht positives Ergebnis von 1,1% mit einem Gesamtumsatz von knapp 15 Mrd. € aus. Für das Gesamtjahr 2018 bestätigt der VDM seine Umsatzprognose von einem Umsatzplus von 1% auf rund 18 Mrd. €.

Nach einem Umsatzrückgang von 3,8% im Vorjahr verzeichneten die deutschen Küchenhersteller von Januar bis Oktober einen kräftigen Umsatzanstieg von 6,2% auf 4,2 Mrd. €. Dieser Effekt ist vor allem auf die sehr gute Auslandsnachfrage mit einem Plus von 8,4% im Vergleich zum Vorjahr sowie auf Umverteilungen im Markt zurückzuführen. Auch der Inlandsmarkt entwickelte sich mit einem Plus von 4,8% entsprechend positiv.

Das Segment der Büro-, Laden- und Objektmöbel erzielte nach amtlichen Angaben bei einem Plus von 6,5% einen Umsatz von knapp 3,5 Mrd. €. Dabei erreichten die Büromöbelhersteller eine bessere Performance als die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln.

Bei Matratzen schlug ein Umsatzminus von 11,5% auf knapp 640 Mio. € zu Buche. Dies liege auch am besonders harten Preiskampf und der starken Importkonkurrenz in diesem Segment.

Für die Polstermöbelindustrie weist die amtliche Statistik, die ausschließlich die Entwicklung an den deutschen Produktionsstandorten erfasst, einen Umsatzrückgang um 5,7% auf rund 760 Mio. € aus. Diese Negativentwicklung trifft grundsätzlich auf die deutsche Produktion zu. Unternehmen mit eigenen Produktionsstätten im Ausland sind weniger stark betroffen. Hier betrug der Rückgang des Auftragseingangs bis Ende November nach einer brancheninternen Erhebung unter den marktprägenden Unternehmen 1,7%.

Das Segment der „sonstigen Möbel“ zeigt ein Umsatzminus von 2,6% auf knapp 6 Mrd. €. Dieses größte Teilsegment der Branche umfasst in der amtlichen Auswertung Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbel sowie Kleinmöbel, nicht gepolsterte Sitzmöbel und Möbelteile.

Die durchschnittliche Zahl der in Deutschland produzierenden Möbelfirmen mit mehr als 50 Beschäftigten lag in den ersten zehn Monaten bei 481. Ihre Zahl ging im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht zurück (-2,4%). Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich dennoch um 0,7% auf 84.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Export gewinnt an Bedeutung

Der Inlandsumsatz entwickelte sich in den ersten zehn Monaten 2018 mit einem nominalen Plus von 0,9% unterdurchschnittlich, während die direkt ins Ausland abgesetzten Umsätze um 1,6% zulegen konnte. Die schwache Nachfrageentwicklung im Inland sei vor allem darauf zurückzuführen, dass es der Möbelbranche insgesamt nicht gelungen ist, gegen andere Konsumgüter zu punkten: Reisen, Caravan und E-Bikes stehen derzeit offensichtlich höher im Kurs der Verbraucher. Zudem trage die ständige Rabattschlacht auch nicht zur Steigerung der Begehrlichkeit nach Möbeln bei.

Bisher könne die Möbelbranche trotz einer starken Neigung der Bundesbürger zum Thema „Wohnen & Einrichten“ nur unzureichend von der niedrigen Arbeitslosigkeit, den steigenden Einkommen und der grundsätzlich hohen Konsumneigung profitieren.

Der Export der deutschen Möbelindustrie stieg von Januar bis Oktober 2018 um 2,8%. In den ersten zehn Monaten 2018 gingen 32,6% der in Deutschland produzierten Möbel direkt ins Ausland. Höher lag die Exportquote noch nie. Um die Jahrtausendwende betrug sie noch 16,3%.

Wachstumsmarkt China

Fast alle großen außereuropäischen Märkte liegen derzeit im Plus. Allein die Möbelausfuhren nach China konnten von Januar bis Oktober 2018 im Vergleich zum Vorjahr um 21,8 Prozent gesteigert werden. Auch die deutschen Möbelexporte in Richtung USA legten trotz der zunehmend protektionistischen Handelspolitik der USA um 4,2 Prozent zu. Der Absatz deutscher Möbel in Russland erhöhte sich nach längerer Schwächephase 2018 das zweite Jahr in Folge. Andere wichtige Wachstumsmärkte wie Japan, Kanada und Indien wiesen ebenfalls positive Vorzeichen auf.

Im EU-Export liegt Frankreich vorn – Sorgen um britischen Markt

Auch innerhalb der EU zog die Möbelnachfrage 2018 im Vergleich zu 2017 deutlich an. Frankreich konnte sich als wichtigster Absatzmarkt für Möbel „Made in Germany“ behaupten, die deutschen Möbelausfuhren legten um 6,1% zu. Auch andere europäische Märkte wie die Niederlande, Belgien, Polen, Tschechien, Spanien und Italien entwickelten sich positiv. Angesichts der weiterhin offenen Brexit-Fragen macht vor allem der britische Markt Sorgen. Noch belegt dieser mit einem Volumen von rund 700 Millionen € Platz fünf im Ranking der wichtigsten Exportmärkte der deutschen Möbelindustrie. Von Januar bis Oktober 2018 brachen die deutschen Möbelexporte über den Ärmelkanal um 6% ein.

Importe leicht rückläufig – Polen baut führende Position aus

Die Importe entwickelten sich in den ersten zehn Monaten mit einem geringfügigen Minus von 0,3% auf ein Gesamtvolumen von 10,6 Mrd. € leicht negativ. Der Rückgang der Möbelimporte ist ein Beleg für die aktuelle Schwäche der Inlandsnachfrage in Deutschland. Allerdings ist die Tendenz je nach Lieferland uneinheitlich. Mit 26,3% stammen inzwischen mehr als ein Viertel aller importierten Möbel aus Polen – der Importwert stieg hier im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,4% auf knapp 2,8 Mrd. €. Gleichzeitig gingen die Einfuhren aus China – derzeit auf Platz zwei im Ranking der wichtigsten Lieferländer – leicht um 2,3% auf 1,6 Mrd. € zurück.

Noch negativer entwickelten sich die Einfuhren aus Tschechien mit einem Minus von 3,9% auf 1,4 Mrd. €. Auch andere wichtige Lieferländer wie Ungarn, Rumänien, Österreich, die Slowakei, die Schweiz, Vietnam und Dänemark verloren Marktanteile in Deutschland. Die wichtigsten Nutznießer dieser Entwicklung waren neben Polen Portugal und Spanien.

Vor dem Hintergrund der leicht rückläufigen Möbelimporte ist die Importpenetrierung des deutschen Möbelmarktes in 2018 erstmals seit Jahren minimal gesunken. Nach Berechnungen des VDM lag die Quote der Möbel ausländischer Herkunft im deutschen Handel in den ersten zehn Monaten 2018 bei 64,9% gegenüber 65,3% im gleichen Vorjahreszeitraum.

Der Erfolg der deutschen Möbelhersteller im Export sei vor dem Hintergrund des schwächelnden Inlandsmarktes existenziell wichtig für das langfristige und nachhaltige Wachstum der deutschen Möbelindustrie, so Jan Kurth, Geschäftsführer des VDM. Von der derzeit laufenden imm 2019 erwarte der Verband deutlich positive Impulse für die Branche.