Universität Stuttgart stellt flexible hochdichte Faserplatte „Bioflexi“ vor

30. Oktober 2019
Quelle:
Uni Stuttgart/Fordaq
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HDF-Platte BioflexiAn der Universität Stuttgart wurde eine neue, völlig flexible Faserplatte entwickelt, die aus schnell nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Sie kann im Möbelbau oder im Innenausbau eingesetzt werden. Die TLB GmbH ist im Auftrag der Universität Stuttgart mit der wirtschaftlichen Umsetzung der Erfindung beauftragt und sucht Partner aus der Industrie für die Markteinführung.

Nachhaltigkeit ist auch im Möbelbau ein großes Thema. Bislang werden in der Möbelindustrie oder im Innenausbau vor allem Faserplatten eingesetzt. Diese werden jedoch oft mit wenig umweltfreundlichen Harzen hergestellt. Zudem seien durch ihre wenig biegsame Form die Gestaltungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt.

Jun. Prof. Dr. Hanaa Dahy, Leiterin des Instituts für Tragkonstruktionen und Konstruktives Entwerfen (ITKE) an der Universität Stuttgart, hat eine neue, völlig flexible Faserplatte entwickelt, die aus schnell nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. Solche sogenannten Biokomposite oder Bioverbundstoffe können eine Alternative zu Kunststoffen oder HDF-Platten sein.

Die Erfindung ist patentrechtlich geschützt und wurde kürzlich unter dem Namen „Bioflexi“ als Marke eingetragen. Durch den niedrigen Rohstoffpreis könne die „Bioflexi“ eine attraktive Alternative im Möbelbau und für architektonische Freiform-Applikationen sein.

Die neuartige hochdichte und flexible Faserplatte kann sowohl zu Herstellung von frei geformten Möbeln und Trennwänden, als auch als Bodenbelag mit rutschhemmenden und schlagabsorbierenden Eigenschaften verwendet werden. Die Platten werden mit etablierten Produktionsmethoden hergestellt, indem das Stroh compoundiert wird. Anschließend wird das Halbzeug je nach Anwendung gepresst und durch Deckschichten in der gewünschten Form fixiert.

Die von Prof. Hanaa Dahy entwickelte HDF-Platte besteht zu 80-90% aus jährlich nachwachsenden Rohstoffen wie Stroh. Diese Naturfaser sei weltweit als Reststoff verfügbar und koste deshalb wenig. Außerdem stehe Stroh nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Die Faserplatten können aus Weizen-, Mais-, Reis-, Hafer-, Gersten- oder Roggenstrohfasern gefertigt werden. Aus Reisstroh hergestellt, haben die Faserplatten den zusätzlichen Vorteil, dass ihr Silikat-Anteil bis zu 20% des Trockenfasergewichtes erreicht. Da Silikat ein natürlich feuerhemmender Stoff ist, werde die DIN 4102-B1 Materialklassifikation „schwer entflammbar“ bereits durch Zusatz rein mineralischer Additive erfüllt.

Als Bindemittel wird ein thermoplastisches Elastomer verwendet. So könne die Platte praktisch frei von Formaldehyd und Isocyanaten produziert werden, was während des gesamten Produktlebenszyklus der Faserplatte die Gesundheitsrisiken minimiere. Durch den Zusatz verschiedener Bindemittel könne sowohl Flexibilität als auch Stabilität der Platten für verschiedene Anwendungsmöglichkeiten variiert werden. Durch verschiedene Beschichtungen können die Platten auch wasserfest laminiert werden. Farbgebung könnte durch eine farbige Lamination erreicht werden. Zum Ende der Nutzungsdauer seien Wiederverwertung und sogar Kompostierung der Faserplatte möglich.

Patente für die flexible HDF-Platte wurden in den USA (US 10,137,596 B2) und Europa (EP 2965882 B1) erteilt (validiert in DE, FR, GB & NL) sowie in Malaysia angemeldet. Die Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH ist im Auftrag der Universität Stuttgart mit der wirtschaftlichen Umsetzung der Erfindung beauftragt und sucht Partner aus der Industrie für die Markteinführung. Die TLB GmbH bietet Unternehmen Möglichkeiten zur Lizenzierung der patentierten Technologie oder u.U. des Kaufs der Schutzrechte.