Internationale Pelletskonferenz zeigt dynamische Marktentwicklungen

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Fordaq
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Unerschrocken und lebendig (und so steril wie möglich) diskutierten die Teilnehmer der internationalen Pelletskonferenz Anfang März die Lage und Zukunft ihrer Branche. In Zeiten von Greta, Green Deal und Grenzkontrollen ist das Pelletgeschäft ein vergleichbar dankbares. Politik und Verbraucher sind generell positiv eingestellt und sehen in den standardisierten und nachhaltigen Energieträgern eine große Chance. Wie sich das in der Vergangenheit auswirkte und die Zukunft prägen dürfte, klärte man in der Stadthalle Wels.

Großbritannien und Niederlande als Wachstumsmärkte für Industriepellets gehandelt

Die gesammelten, globalen Pelletmarktentwicklungen hatte Gilles Gauthier vom European Pellet Council im Gepäck. So übernimmt Asien die Führung bei industrieller/m Pelletproduktion und -verbrauch und auch in der EU entwickelt sich die Branche positiv. Die Niederlande und Großbritannien werden als nächste massive Wachstumsmärkte gehandelt, während momentan Frankreich, Deutschland und Österreich dank exzellenter politischer Rahmenbedingungen im Privatsektor vielversprechend zulegen.

Sägewerke befeuern Balkan und mobile Öfen die Schweiz

Auf dem Balkan steigt der lokale Pelletverbrauch ebenfalls, merkte Gauthier an. So steigen etwa Sägewerke direkt in den Markt ein und erreichen mit ihren relativ kleinen Anlagen Qualitäten, die für die private Heiznutzung völlig ausreichend sind. Der Pelletexportanteil schrumpfte so von 69,6% im Jahr 2012 auf 57,6% im Jahr 2018, da mehr im Inland genutzt wurde. Italien verzeichnete 2019 hingegen das 2. Jahr in Folge eine Abnahme des Pelletverbrauchs in Privathaushalten. Und auch die Neuinstallation von Pelletöfen nahm 2019 um 9% gegenüber 2018 ab. Die Schweiz entwickelte sich dafür sowohl produktions- als auch verbrauchsseitig sehr positiv. Dazu tragen wohl auch die mobilen Pelletheizungen von Patrick Grob und seinem Start-up Waldenergie bei, die vermehrt für die Beheizung von Baustellen, Festzelten und für die Bautrocknung zum Einsatz kommen.

Oberösterreich sagt "AdieuÖl"

Die sukzessive Abkehr von Öl und Gas - ob per Verbot der Neuinstalltion, Reparatur oder mittels attraktiver Förderung bei einem Umstieg auf Pellets und andere Holzenergie - zeige Wirkung. So setzt man mit "AdieuÖl" auch in Oberösterreich auf eine Vielzahl von Anreizen und holt mit umfassenden Kampagnen Unternehmen und Verbraucher ins Boot, wie Christiane Egger vom - die Konferenz veranstaltenden - Oberösterreichischen Energiesparverband vermittelte. Besonders wichtig sei es bei Werbemaßnahmen, zu erkennen, dass die Zielgruppe "Umweltschützer" zu diesem Zeitpunkt bereits umgestiegen ist. Es gilt also, diejenigen zu erreichen, die es sich außer denen auch noch leisten können, zu überzeugen. Martin Bentele vom DEPV legte das Augenmerk zudem auf die Bedeutung von professionellen und verfügbaren Installtionsbetrieben, die der Verband in Deutschland regelmäßig in ausgebuchten Seminaren schult - sofern sie denn stattfinden dürfen.

In Österreich Rohstoff für 3,5 Mio. t/J theoretisch verfügbar

Ein Holzwärme-Szenario präsentierte Christoph Schmidl von BEST. Demzufolge hätte Österreich bei vollständiger Umstellung von Öl- auf Biomasse-Heizsysteme mit 1,9 Mio. t/J einen in etwa doppelt so hohen Pelletbedarf wie 2019 - hinzu kommen Hackgut und Stückholz. Hierbei ging man von einer niedrigen Sanierungsrate aus und ließ die Klimaerwärmung erst einmal außen vor. Rohstoff gebe es im Land ohnehin genug für 3,5 Mio. t/J, wobei auch Schadholzauswirkungen nicht in das Modell mit eingebracht wurden. Generell scheint eine Eigenversorgung bei Verdopplung der Produktionskapazität aber theoretisch möglich. Diskussionsbedarf gab es bei der Verantwortung für den Ausschluss von Engpässen. So wäre etwa zu klären, wer für die - festzulegenden - angemessene Lagerhaltung zuständig sein wird.

Ionen beschweren VOC

Einhergehen würde eine Umstellung auf Biomassen-Heizsysteme in Österreich nachweislich mit 100.000 Arbeitsplätzen sowie geringeren Brennstoffkosten und Schadstoffemissionen. Einen Weg, um die VOC-Belastung noch weiter zu verringern, zeigte Adam Harvey von der Newcastle University auf. Mittels einfacher Nachrüstung eines Ionisators, wird die Partikelgröße noch im Abzug erhöht und die Schädlichkeit dadurch verringert.

Russland hat Zeug zur Spitze

Auf der Produktionsseite legen neben Deutschland und Österreich auch Russland, Frankreich, Polen, Portugal und Belgien zu. Rein rechnerisch könnte Russland längst an der Spitze sein. Schließlich wären Sägespäne für 6,8 Mio. t Pellets vorhanden. Behindert wird dies jedoch durch Engpässe in der Infrastruktur und Logistik. So blieb es 2019 bei 1,8 Mio. t. Schweden, Lettland und Estland haben ihre Produktion hingegen heruntergefahren. Wobei Schweden laut Svebio durchaus noch über Potenzial für zusätzliche 4TWh/Jahr im Industriesektor verfügt. Im Baltikum und Nordland beobachtet Gauthier zudem zunehmend dezentrale Produktionsstandorte.

Anlagentypen und Produktionsmöglichkeiten

Zur Produktionstechnologie teilten die Referenten und Teilnehmer ebenfalls ihre Erfahrungen. So nimmt man etwa beim österreichischen Anlagenhersteller Hargassner eine verstärkte Nachfrage nach Kombilösungen für Holzscheite und Pellets wahr. Das schwedische Unternehmen Petrobio verzeichnet einen großen Bedarf an Pellettechnologien, die in die vorhandene Infrastruktur, etwa an einen vorhandenen Dampfboiler, der normalerweise mit Öl betrieben wird, integriert werden können. Generell ist Flexibilität gefragt - besonders in einer Übergangsphase. Und während man in die beliebter werdenden Schwarzpellets (mild pyrolysiert) mehr Energie reinsteckt, damit diese beim Anwender maximale Effizienz bringen, zeigte Tobias Distler von Amandus Kahl, wie sich der Energieverbrauch der Pelletpresse, je nach Anlagentyp, optimieren lässt. Genereller Energiesparer: "Übermahlen" vermeiden.

Pellets können EU-Klimarückenwind nutzen

Mit dem Green Deal und seinen vielfältigen politischen Großprojekten, wie dem parallel zur Konferenz vorgestellten Entwurf des europäischen Klimaschutzgesetzes oder der ebenfalls noch in diesem Jahr zu verabschiedenden Biodiversitäts- und Waldstratgie, zeichnete Giulio Volpi von der Europäischen Kommission für die Konferenzteilnehmer das "Big Picture". Hinzu kamen die neue Industriestrategie und das Kreislaufwirtschaftsgesetz, die der Pelletbranche gleichermaßen in die Karten spielen können, sofern der Rückenwind genutzt wird. Im Juni - wenn Corona nicht dazwischen gerät - widmet man sich zudem den nationalen Energie- und Klimaplänen. Im Herbst sind Fortschritte in Sachen europäischer Klimaplan und Nachhaltigkeit der Biomasse im Wald angesetzt.

"Whiskeypellets"

Neben der rein energetischen Nutzung wurden auch andere Möglichkeiten für Pellets aufgezeigt, etwa als ergänzende Absatzmärkte in unerwartet warmen Wintern. Neben Pferdeeinstreu stellt der Vertrieb in der Grillsaison eine lohnende Nische dar, wie Kenny Lisle von Energex anhand der BBQ-Pellets aus Jim Beam-Fassdauben erklärte.

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