Holzmangel im Nordschwarzwald

Quelle:
DeSH/IHB
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Vor gut einem Jahr startete der umstrittene Nationalpark Nordschwarzwald in Baden-Württemberg. Die grün-rote Landesregierung und Naturschutzverbände sehen das Projekt auf gutem Wege. Unklarheiten herrschen offenbar jedoch bezüglich der Prozesse in den Entwicklungszonen. Die regionale Säge- und Holzindustrie ist verunsichert.

So sei die Kernzone des Nationalparks immer noch nicht endgültig ausgewiesen. Und so lange finde in der übrigen Kulisse kein Waldumbau statt, erklärt Lars Schmidt, Generalsekretär des Deutsche Säge- und Holzindustrie Bundesverbandes e.V. (DeSH). Diese Schwebezustand sorge in der Holzwirtschaft für Verunsicherung.

Insgesamt sollen in den nächsten 30 Jahren aus ökologischen Gründen jährlich 35.000 Festmeter Fichte aus den Gebieten des Nationalparks geerntet werden, um auf den Flächen die Voraussetzungen für eine natürliche und dynamische Entwicklung zu schaffen. Holz, das eigentlich der regionalen Holzindustrie zufließen sollte. Bislang sei davon jedoch nichts bei den Betrieben angekommen: Einer Umfrage des DeSH zufolge haben die Sägewerke in der Region bereits im ersten Jahr mit einem Mengenrückgang von durchschnittlich 30% zu kämpfen.

„Für uns stellt sich momentan die Frage, wie die Nationalparkverwaltung die vor einem Jahr getätigten Mengenzusagen garantieren möchte“, sagt Jörg Keller, Geschäftsführer des Sägewerks Kellerholz in Lichtenau-Scherzheim. Seinem Werk fehlen 4.000 Festmeter, die bisher aus der Kulisse des Nationalparks kamen. „Von den damaligen Aussagen, dass durch den Umbau in den kommenden Jahren mehr Holz bereitstehe, möchte heute keiner mehr etwas wissen.“

Laut Schmidt sind im Nationalpark die Zuständigkeiten bezüglich der Holzernte nicht geklärt. Deshalb weigerten sich Forstunternehmer, das Holz aufzuarbeiten. Wegen der eingestellten Wegepflege würden zudem viele Holztransporteure die Fahrt in die Entwicklungszone als gefährlich erachten.

Lars Schmidt fordert in den Übergangsjahren die Aufrechterhaltung der forstlichen Infrastruktur im Nationalpark. Dies sei nötig, um die Prozesse im Nationalpark wie gewünscht anzuleiten. Zudem dürfe sich die Rohstoffversorgung der Sägebetriebe nicht weiter verschlechtern.

Bedenklich findet Schmidt, dass es im Nationalparkrat angeblich Überlegungen gibt, das Holz gar nicht an den Markt zu bringen, sondern auf dem Waldboden verrotten zu lassen. Eine Entscheidung darüber stehe aber noch aus. Mit ihr sei wohl erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 zu rechnen.

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