Klimawandel gefährdet die Wälder: Extremjahre geben den Takt an

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Foka/Fordaq
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Der Klimawandel wird immer mehr zur Belastung für den Wald und gefährdet so auch die Perspektiven der Waldbesitzer in Baden-Württemberg. „Das Dürrejahr 2018 war ein Vorgeschmack auf das, was uns zukünftig wohl noch häufiger erwartet“, prognostizierte Verbandspräsident Roland Burger bei der Mitgliederversammlung der Forstkammer in Heilbronn. Die Folgen beträfen nicht nur die auf vielen Standorten besonders gefährdete Fichte, sondern sämtliche heimischen Baumarten. Außerdem sei zu befürchten, dass die Waldveränderung deutlich schneller ablaufen werde. „Nicht der allmähliche Anstieg der Durchschnittstemperaturen gibt den Takt an, sondern einzelne Extremjahre. Und die nehmen zu“, so Burger.

Vor diesem Hintergrund kritisierte der Waldbesitzer-Präsident die Einsparungen, die von der Landesregierung im Zuge der anstehenden Forstreform geplant sind. „Wenn der Landespolitik der Wald am Herzen liegt, dann brauchen wir nicht 8,4 Millionen Euro weniger, sondern mindestens 40 Millionen Euro jährlich mehr für die Aufgaben im Wald“, forderte Roland Burger. Die Mittel sind aus Sicht der Forstkammer dringend erforderlich, um unter anderem einen klimagerechten Waldumbau, auch mit neuen Baumarten, die im Rahmen des Krisenmanagements erforderliche Anlage zentraler Holzlagerplätze, die Schulung der Waldbesitzer und die Bekämpfung des Fachkräftemangels im Wald zu finanzieren.

Auch die aus kartellrechtlichen Gründen ausgelöste Forstreform werde die zukünftige Situation der Waldbesitzenden im Land maßgeblich beeinflussen. Das Reformgesetz liege aktuell dem Landtag zur Beratung vor und solle noch in diesem Monat verabschiedet werden. In diesem Zusammenhang ging Präsident Burger auf die Verschärfung der gesetzlichen Grundpflichten der Waldbesitzer ein. Die Forstkammer kritisiert diese Vorgaben der Landesregierung scharf. „Wir lehnen Veränderungen zu unseren Lasten weiterhin ab, weil die Waldbesitzer bereits bewiesen haben, dass sie den Wald pfleglich bewirtschaften“, so Burger. Zwar habe es beim nun vorgelegten Gesetzesentwurf im Detail sinnvolle Korrekturen gegeben. Der Forstkammer-Präsident forderte die Landtagsabgeordneten dennoch auf, weitere Klarstellungen im Gesetz vorzunehmen, um zukünftige Nachteile und Unsicherheiten für die Waldbesitzer bei der Förderung zu verhindern. „Sie haben es in der Hand, sorgen Sie für klare Verhältnisse“, rief Burger die anwesenden Vertreter der Landtagsfraktionen auf.

Anlässlich der Jahreshauptversammlung der Forstkammer Baden-Württemberg sprach auch der auf Bundesebene neu gewählte Präsident der „AGDW – Die Waldeigentümer“, Hans-Georg von der Marwitz. In seiner Ansprache machte er deutlich, dass gegenwärtig alle Anstrengungen unternommen werden müssten, um Soforthilfe zur Rettung der Wälder zu leisten. Andernfalls drohe ein beträchtlicher und gesamtgesellschaftlich spürbarer Schaden. Hier seien nicht nur die Waldbesitzer gefragt. Er versicherte „in Berlin nicht müde zu werden, die notwendige Unterstützung in dieser gesamtgesellschaftlichen Herausforderung einzufordern!“

Für die Zukunft braucht es nach Meinung des AGDW-Präsidenten einen „Pakt für den Wald“, indem die unterschiedlichen Akteure des Clusters Forst & Holz, der Politik und der Wissenschaft Strategien für den Wald und Holznutzung von morgen entwickeln.

Ein besonderes Anliegen ist für von der Marwitz die Förderung von forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen. Gerade die Extremsituation der letzten Monate habe gezeigt, wie wichtig privatwirtschaftliches Engagement, betriebliche Zusammenschlüsse aber auch das Engagement der forstpolitischen Verbände sei.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung informierten sich die Waldeigentümer über die Holzbau-Highlights auf der Bundesgartenschau in Heilbronn. Forstkammer-Präsident Roland Burger lobte in diesem Zusammenhang die Holzbau-Offensive der Landesregierung. Die jüngste Kampagne der Mauerwerk-Industrie gegen die Holzbau-Offensive kritisierte er dagegen deutlich. „Hier geht es nicht um einen Wettbewerb der Werkstoffe, sondern um den Schutz des Klimas“, stellte Burger klar. „Die Mauerwerk-Industrie sollte sich fragen, welchen Beitrag sie selbst zu dieser gesellschaftlichen Herausforderung leisten kann.“ Wie die Förderung von erneuerbaren Energien sei auch die Förderung erneuerbarer Baustoffe ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

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