Holzfaserdämmstoffe - Frankreich mischt mit

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Fordaq
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Vor ein paar Jahren schluckte Saint Gobain den Marktführer für Gipskartonplatten BPB, der nebenbei auch ein führender Hersteller und Verarbeiter von Polystyrol war, und verstärkte somit seine marktbeherrschende Position auf dem französischen Dämmstoffmarkt. Alternative Dämmstoffe haben zwar in dieser Konstellation kaum eine Chance. Aber sie nutzen sie.

Holzfaserdämmstoffe galten lange als teure ökologische Lösung für den besseren Holzbau. Die offiziellen Normen wussten zwar nichts von dynamischer Messung der thermischen Eigenschaften, von Phasenverschiebung und vom Diffusionsverhalten, und das ist eigentlich bis heute noch so. Je nach dem, wie man den Fall deutet, setzte Saint Gobain mit der (provisorischen) Novellierung des Holzbauregelwerks DTU 31.2 nochmal einen drauf, indem nun allgemein Dampfsperren mit einem Sd von 18 Meter eingesetzt werden müssen (50 bei Außendämmung mit Putz). Für korrekt konzipierte diffusionsoffene Wände, die oft auf Glasfaser sowie auf Polystyrol verzichten, macht das zwar keinen Sinn, aber es wird der Wand auch nicht besonders schaden, bedeutet letzendlich nur einen nicht zu unterschätzenden Aufpreis. Oder ein Stimulus, um dann doch lieber auf diffusionsoffene Wände zu verzichten. Man könnte den Schachzug mit dem DTU 31.2 aber auch anders bewerten: Saint Gobain braucht solche Tricks gar nicht, denn die Gruppe profitiert mehr als alle anderen Marktteilnehmer von der kontinuierlichen Entwicklung des Dämmstoffmarktes. Marktforscher MSI erwartet, ohne sich zu weit hinauszulehnen, einen durchschnittlichen Zuwachs von 6 bis 7% pro Jahr bis 2015 (Mineralwolle und Schaumstoffe). Mengenmäßig setzt MSI auf eine Steigerung des französischen Marktes von 50% im Zeitraum 2006-2015, davon 30% ab 2011.

Den "natürlichen" Dämmstoffen bescheidet MSI in den kommenden Jahren eine jährliche Wachstumsrate von 15 bis 20%. Auf der Batimat waren allerdings keine Entenfedern mehr zu sehen, auch keine Baumwolle. Der Markt ordnet sich, die Teilnehmer wachsen und schliessen sich in einem spezifischen Verband zusammen. Neben Leinen und Hanf dominiert die Cellulose und nun immer deutlicher die Holzfaser. Insider schätzen den Markt für Holzfaserdämmstoffe in Frankreich auf etwa 60 bis 100 Mio Euro. Das bleibt weniger als der Umsatz von Actis, dem Marktführers für die eigenartige Gattung der dünnen reflektierenden Dämmstoffe, die bei jeder Batimatmasse die Halle 1 füllen. Actis hat sich vorsichtshalber ein zweites Standbein zugelegt, produziert mit einem werkseigenen Trockenverfahren in Südwestfrankreich Holzfaserdämmstoffe, die aber bisher nur zu einem Bruchteil des Umsatzes beitragen (10 Mio Euro ?). Historischer Marktführer Pavatex kam durch die Schweizer Währungskrise ins Wanken und investiert nun 60 Mio Euro für den Bau einer neuen Produktionsstrecke im eigenen Nassverfahren bei Epinal (Vogesen). Steico hat die Übernahme des ehemaligen Isorel-Werkes in Casteljaloux (Aquitanien) verkraftet, setzt nun insgesamt knapp 20 Mio in Frankreich um. Homatherm erwirtschaftet in Frankreich mittlerweile so viel Umsatz, dass der Sprung zum Produktionsstandort sinnvoll wurde, zumal der Standort St Dizier sowohl einen Zugriff auf den Rohstoff wie auch die Neubelebung des Zulieferernetzes der ehemaligen Holzwerkstofffabrik (Isoroy) ermöglicht. Eigentlich fehlt nur noch Gutex, aber der produziert nicht weit von der Grenze, und Importeur Ageka im Elsass vertreibt die Produkte an ein breitgefächertes Händlernetz in ganz Frankreich. Der in Frankreich bekannte Schneider rückt nun auch noch nach. Laut Ageka liegt das Preisgefälle zu vergleichbarer hochwertiger Mineralwolle nur noch bei 1,5 bis 2, der Markt entwächst seiner engen Nische. Pavatex, Homatherm, Steico und Gutex verfügen nun über Dämmwerte vom französischen Institut ACERMI, umgehen den endlosen Weg über die französische Zulassung durch Europäische Zulassungen. Noch ist die Produktion weder in Chamouilley noch in Epinal angelaufen, aber auch dann wird der Holzverbrauch dieser neuen kleinen Branche überschaubar bleiben. Immerhin, auf Dauer meint Imed Bouslah, Exportleiter bei Homatherm, dass Frankreich Deutschland als Produktionsstandort für Holzdämmstoffe überholt.
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