„Holzbau muss einfach, sparsam und robust sein“

Quelle:
IHB MK
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Stefan Winter Eine Idee des Holzbaus der Zukunft entwarf Stefan Winter auf dem Tri-Symposium Ende März in Bregenz. Winter ist Ordinarius für Holzbau und Baukonstruktion an der TU München und lehrt Holzbau an der Aalto University in Helsinki. Energieeffizienz heißt für Winter nicht unbedingt die höchst mögliche Dämmung oder der Plus-Energie-Standard. Ein Gebäude sei auch dann energieeffizient, wenn es möglichst lange ohne Sanierungsbedarf seinen Zweck erfülle. So zum Beispiel die Gründerzeithäuser am Münchener Lehel: „Niemand würde auf die Idee kommen, die abzureißen.“

Ein heute errichtetes Gebäude müsse dem Anspruch genügen, auch noch von der Enkelgeneration genutzt werden zu können, ist seine Devise. Und weiter: "Wir müssen uns wie Förster verhalten. Die pflanzen Bäume, von denen sie selbst nichts mehr haben." Bauherren müssen mit einem gewissen Maß an Uneigennützigkeit Verantwortung für die Zukunft übernehmen, meint er damit. Er verdeutlichte dies mit einem Ausspruch des Engländers Sir Crispin Tickell: "Treating the world as if we intended to stay." - Wir sollten die Welt behandeln als wenn wir vorhätten zu bleiben.

Winter trat der These entgegen, Holzbau sei kompliziert. Eines sei allerdings richtig: Holzbauten müssen komplett vor dem Bau geplant werden. Das habe das Holz mit dem Stahl gemeinsam. Grund ist die stabförmige Bauweise. Beim Holz komme noch die Brennbarkeit und biologische Zersetzbarkeit hinzu. Mit ein bisschen Übung und Erfahrung sei das jedoch kein Problem. Und er sagte ganz klar: „Der Holzbau der Zukunft muss einfach, sparsam und robust sein, sonst können wir die Menschen nicht mitnehmen.“

Zur Energieeffizienz forderte Winter, dass in Zukunft „Jedes Haus dazu genutzt werden muss, Sonnenenergie einzufangen.“ Für die CO2-Bilanzierung fordert Winter einen fairen Umgang miteinander. Sowohl die Holzbranche als auch deren Gegner neigen in diesem Zusammenhang zu Rechentricks, die die eigenen Interessen besser dastehen lassen. Besser wäre, so Winter, eine faire und klar nachvollziehbare Berechnung der tatsächlichen Emissionen und Verbräuche innerhalb klar gegeneinander abgegrenzter Systeme vorzunehmen.

Für den Holzbau ergebe sich daraus eine klare Zuweisung der Vorteile des Holzprodukts durch Kohlenstoffspeicherung während der Nutzungsphase und die Nutzung der erneuerbaren Primärenergie am Ende der Nutzungsdauer. Beides sollte dem Holz in Form eines „Nachwachsfaktors“ angerechnet werden. Zum Nutzungsende von Holzgebäuden fehlen ebenfalls innovative Bewertungsansätze, sagt Winter. Bisher werde davon ausgegangen, dass ein Gebäude zu 100% verbrannt werde. Das sei aber genauso falsch, wie von 100% Recycling auszugehen. Hier bedürfe es realistischer Modelle, die von einer gewissen Wiederverwertungsquote für Holzbauteile ausgehen. Winter hält 40% Recyclingquote für durchaus realistisch. Das würde einer zukünftigen Holzknappheit entgegenwirken, und könnte als weiterer Vorteilsfaktor zur verlängerten Kohlenstoffspeicherung eingefordert werden.

Die umfassende Bedeutung des Themas vor allem für den Klimaschutz machte Winter am Schluss seines Vortrages allen noch einmal deutlich: mit einem Bild der Erde als kleiner Punkt im Weltall und den Worten: „Mehr haben wir nicht.“
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