GD Holz Außenhandelstag: Immer mit einem Auge auf China schauen

05. April 2019
Quelle:
Fordaq MK
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GD Holz Außenhandelstag 2019Am 4. April 2019 fand in Bremen der diesjährige Außenhandelstag des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel (GD Holz) statt. Mit über 100 Teilnehmern verzeichnete die Veranstaltung eine Rekordbeteiligung. Die verschiedenen Fachabteilungen tagten zunächst getrennt. Bei den Berichten wurde wieder einmal klar: Am chinesischen Markt führt kein Weg vorbei. In der gemeinsamen Sitzung ging es um Unternehmensnachfolge und Plattformökonomie.

GD Holz Außenhandelstag 2019Bei den Maklern und Agenten informierte DeSH-Hauptgeschäftsführer Lars Schmidt über die Situation der Fichte in Deutschland vor dem Hintergrund von Klimawandel und Kalamitäten. Die Wahrscheinlichkeit von Wetterextremen mit Sturm, Starkniederschlägen und Dürren nimmt weiter zu. Um die Fichte in Mitteleuropa nicht zu verlieren, werde eine züchterische Weiterentwicklung der Baumart hin zu schnellerem Wachstum, und größerer Resistenz gegen Schädlinge und Trockenheit nötig sein, resümierte Schmidt die Erkenntnisse des Sägewerkskongresses von Mitte März. Der Klimawandel bietet auf der anderen Seite der Forst- und Holzbranche sich als Teil der Lösung zu präsentieren. Der Holzbau boomt.

Importeure von skandinavischer Ware sehen in der Problematik auch eine Chance: Wächst die Fichte in Mitteleuropa nicht mehr, kann man mehr importieren, so die Hoffnung. Seit Jahren sind die Importe skandinavischer Hobelware rückläufig, die Preise für geringwertige Sortimente sind zudem um rund 10% eingebrochen. Immer weniger skandinavische Hobelwerke produzieren aus diesem Grund für Mitteleuropa. Zuletzt hatte die Siljan-Gruppe im Januar gemeldet, den Betrieb ihres Hobelwerks wegen anhaltender Verluste einzustellen. Auf der anderen Seite bleibt auch Skandinavien von der Käferkalamität nicht verschont. Es gibt Spekulationen, dass in Südschweden bis in die Region Stockholm hinauf 2019 bis zu 20 Mio. Festmeter Käferholz anfallen könnten. Schon gibt es Befürchtungen, die Kiefer könnte knapp werden, weil sich sämtliche Holzerntekapazitäten auf die Käferfichte konzentrieren werden.

Natürlich fiel der Blick auch auf China. Der Vorsitzende der Fachabteilung Volker Reinecke zeigte eine Grafik, nach der China im Jahr 2007 monatlich 200.000 Kubikmeter Schnittholz importiert hat. Aktuell sind es 2,2 Mio. Kubikmeter monatlich. Zuletzt war die Stimmung unter den China-Exporteuren etwas eingetrübt. China hat 2018 vornehmlich aufgrund des Handelsstreits mit den USA 16% weniger Holz abgenommen als 2017. In der Sitzung war aber von einem Stimmungswechsel in China während der vergangenen zwei Wochen und damit einhergehend von umfangreichen Orders für das 2. Quartal die Rede. Neben China sei auch die Nachfrage in Vietnam und Taiwan deutlich belebt.

Bezüglich der sibirischen Lärche wird von Versorgungsengpässen aus Südsibirien berichtet, besonders, was lange Längen betrifft. Die Situation in Nordsibirien ist weniger angespannt. Es werden Preissteigerungen in Höhe von 10-15 Euro/m3 erwartet.

Auch im USA-Geschäft kommt man an China nicht vorbei, wie Volker Reinecke weiter berichtete. 2018 wurden in den USA 4 Mio. m3 Laubschnittholz für den Export produziert. Davon gingen 2 Mio. m3 nach China, die anderen 2 Mio. m3 in den Rest der Welt. China hat allein 745.000 m3 Roteiche aus den USA importiert, 18% weniger als 2017. Es folgen Weißeiche mit 240.000 m3 (-23%) und Yellow Poplar mit 222.000 m3. Zum Vergleich: Deutschland hat 2018 insgesamt 46.000 m3 Laubschnittholz aus den USA importiert.

Aus der Fachabteilung Tropenholz war zu hören, dass insbesondere die Niederlande Maßnahmen ergreifen, um der negativen Stimmung gegen die Nutzung von Tropenholz entgegenzuwirken, nach dem Motto „Use it or lose it“. Dazu gehört auch eine Initiative, einen Kilometer Autobahn aus nachwachsenden und recycelten Rohstoffen zu bauen. Der Exportmarkt für Hölzer aus den afrikanischen Ländern wird ebenfalls klar von China dominiert. Am Beispiel von Ghana zeigte der Vorsitzende der Fachabteilung Jürgen Sudek, dass 46% der Exporte nach China gehen, 22% nach Indien, nur 4% gehen nach Deutschland. Andere Länder, so Sudek, liefern bis zu 70% nach China. Vermehrt tritt auch Vietnam als Abnehmer auf, wobei das Land nur Durchgangsstation, oft wiederum Richtung China, ist.

Den Sperrholzimporteuren machen die seit der zweiten Jahreshälfte 2018 stark verfallenen Preise für Importsperrholz aus Brasilien und Russland Sorgen, berichtete Max Zumsteg. In Brasilien hat sich die Zahl der Unternehmen, die Sperrholz Richtung Europa und Deutschland exportieren aufgrund der guten Preise und der angespannten wirtschaftlichen Lage in Brasilien verzehnfacht. Das daraus folgende Überangebot hat die Preise um rund 25% gedrückt. Die von den Exporteuren erhoffte weitere Steigerung der ohnehin hohen Nachfrage blieb aber aus. Die gesunkenen Preise sorgten – ganz im Gegenteil – für Verunsicherung am Markt und Spekulationen auf weitere Preissenkungen. Es herrscht Kaufzurückhaltung mit dem unangenehmen Nebeneffekt, dass die auf Lage liegende Ware, noch zu alten Preisen eingekauft, vergleichsweise teuer ist. Ähnlich ist die Situation für Birkensperrholz aus Russland. Hier werden Preissenkungen um 20% berichtet. Grund ist hier der wirtschaftliche Einbruch der Türkei. Russische Exporteure drängen deshalb verstärkt auf europäische Märkte.

Die deutschen Importhobelwerke konnten 2018 ihre Umsätze steigern, erklärte Andreas Cordes. Aufgrund der ungewissen Entwicklung der Handelsbeziehungen zwischen China und den USA ist der wirtschaftliche Ausblick durch Unsicherheit geprägt. Aufgrund der Kalamitäten in Europa sind die Preise verfallen.

In der gemeinsamen Sitzung aller Fachgruppen informierten Petra Fischer und Johannes Wolters vom Beratungsunternehmen K.E.R.N. über Chancen und Stolpersteine bei der Unternehmensübergabe. Neben der rein sachlichen Planung spielen zahlreiche psychische und emotionale Faktoren bei der Übergabe eine Rolle. Etwa ein Drittel der Unternehmen werden heute noch an Familienmitglieder übergeben, rund 15% an Mitarbeiter. Der Rest, rund 50%, wird an Externe übergeben.

Hamidreza Hosseini von der Firma Ecodynamics informierte über Plattformökonomie und Onlinehandel. Der Handel über Plattformen wie Amazon oder Google wird in den kommenden Jahren stark wachsen und in Kürze 40-50% des Welthandelsvolumens von derzeit 73 Billionen Dollar ausmachen. Das größte Wachstum erzielen Plattformen wie Google, die Informationen analysieren und zielgerichtet an Marktteilnehmer weitergeben. „Jede Sucheingabe bei Google ist 400-800 Dollar wert!“, erklärte Hosseini. Momentan beträgt der Anteil, der über Plattformen gehandelt wird, rund 7 Billionen Dollar. Er empfahl der versammelten Händlerschaft dringend, sich kurzfristig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.