Ligna: Kreissägen mit Fingerschutzsystemen

05. Juni 2019
Quelle:
Fordaq MK
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Ligna Kreissägen SicherheitssystemeBei den Herstellern von Tisch- und Formatkreissägen wurde auf der Ligna, die vom 27.-31. Mai in Hannover stattfand, das Thema Sicherheit großgeschrieben. Gleich drei Anbieter stellten Systeme zum Schutz vor Verletzungen an Hand und Fingern vor. Sie können Handwerkern helfen, ihre wichtigsten Werkzeuge, nämlich ihre Finger, zu schützen und, ganz pragmatisch gedacht, Ausfallzeiten in Firmen zu minimieren.

SawStop von Festool

Festool SawStopDer deutsche Werkzeughersteller Festool hat für kleinere Tischkreissägen das Schutzsystem SawStop auf einer TKS 80 vorgestellt. Das System löst bei Berührung des Sägeblatts mit einem Körperteil innerhalb von fünf Millisekunden aus. Auslöser ist die elektrische Leitfähigkeit der Haut. Ein Sensor stellt bei Berührung eine Änderung der elektrischen Kapazität des Sägeblatts fest und löst das Schutzsystem aus.

Ligna_Festool_SawStop_KartuscheDies besteht aus zwei Komponenten, erstens der Absenkung des Sägeblatts in den Tisch und zweitens, noch wichtiger, der sofortigen gewaltsamen Abbremsung des Sägeblatts. Letztere erfolgt durch eine kleine Sprengladung, die einen Aluminiumblock in die Zähnung des Sägeblatts treibt. Das Sägeblatt steht sofort. Der Test wurde auf der Ligna mit einer Bockwurst durchgeführt. Er hat lediglich einen kaum zu erkennenden Kratzer auf der Wurst hinterlassen. In der Realität müsse man maximal mit einem Kratzer rechnen, so Festool.

Innerhalb von zwei Minuten ist die Kartusche mit Sprengsatz und Alublock getauscht. Kleiner Wermutstropfen: auch das Sägeblatt sollte getauscht werden, empfiehlt Festool. Durch die heftige Abbremsung des Blattes können versteckte Schäden entstehen. Das ist aber allemal besser als einen Finger zu verlieren. Zum Sägen von leitenden Materialien wie Aluprofilen kann das System übrigens deaktiviert werden.

Eine derart brutale Abbremsung des Sägeblatts ist bei den größeren Formatkreissägen nicht möglich, ohne größere Schäden an Sägeblatt oder Antriebswelle zu verursachen. Deren Hersteller sind deshalb auf Systeme angewiesen, die das Sägeblatt langsamer abbremsen oder versenken. Das heißt, sie müssen früher reagieren, noch bevor überhaupt ein Kontakt des Fingers zum Sägeblatt erfolgt

Felder stellt mit PCS stop marktreife Lösung vor

Felder PCSAls marktreife Lösung zum Schutz vor Fingerverletzungen präsentierte die österreichische Felder Group das System PCS stop auf einer Format 4 Kappa 550. PCS steht für „Preventive Contact System“. Auch dieses System funktioniert über die Feldkapazität des Sägeblatts, allerdings bereits bevor der Finger das Sägeblatt berührt. Etwa bei 5 mm Abstand des Fingers vom Blatt verschwindet dieses im Sägekasten. Eine Abbremsung erfolgt nicht.

Dringt ein leitender Gegenstand wie der Finger in das elektrische Feld um das Sägeblatt ein, werden zwei Elektromagneten im Inneren der Säge umgepolt und geben die Halterung der Antriebswelle frei. Das Sägeblatt wird in Sekundenbruchteilen abgesenkt und verschwindet im Sägekasten.

Das erfolgt völlig beschädigungs- und verschleißfrei. Per Knopfdruck ist die Säge wieder einsatzbereit. Auch hier kam für den Test eine Bockwurst zum Einsatz, die diesen völlig spurlos überstanden hat. Felder hat PCS zum Patent angemeldet.

Altendorf präsentiert kamerabasierte Studie

Altendorf Sicherheits-AssistentNoch vorausschauender, allerdings noch nicht am Markt, ist das vom deutschen Marktführer Altendorf vorgestellte System, der Altendorf Sicherheitsassistent. Eigentlich wollte man es noch gar nicht zeigen, heißt es seitens der Firma. Durch die Ankündigung von Felder, auf der Ligna ein marktreifes System zu zeigen, ist man allerdings unter Zugzwang geraten.

Das Altendorf-System funktioniert über elektrische Leitung oder Kapazitäten, sondern ist kamerabasiert und damit ein echtes Frühwarnsystem. Die Hand wird durch die Kamera erkannt. Damit ist es auch möglich, mit Handschuhen zu arbeiten. Das ist bei anderen Systemen, die auf elektrischer Leitung beruhen schwierig.

Nähert sich die Hand dem Sägeblatt von vorn auf etwa 30 cm, warnt das System durch Blinken und einer Absenkung der Geschwindigkeit des Sägeblatts. Nähert sich die Hand weiter, wird das Sägeblatt abgesenkt und abgebremst. Die Reaktionszeit beträgt 500 Millisekunden. Das wäre bei einem kontaktbasierten System viel zu viel. Aufgrund er Früherkennung durch die Kamera wird die fehlende Schnelligkeit ausgeglichen.

Unklar ist noch, ob es den Sicherheitsassistenten nur auf Neumaschinen geben wird, oder auch als Nachrüstsatz für bestehende Formatkreissägen. Vertriebsleiter Jörg F. Mayer sagte, die Möglichkeit der Nachrüstung sei zumindest beabsichtigt. Unklar ist ebenfalls das Datum der geplanten Markteinführung.