Hohe Bauholzpreise und Materialmangel führen zu Kurzarbeit und Auftragsstornierungen

Quelle:
Destatis/Baden-Württembergischer Handwerkstag/dezeen/Fordaq
Besucher:
444
  • text size

Was bereits hinlänglich zu spüren ist, spiegelt auch die Statistik wider: Laut Destatis stiegen die Erzeugerpreise für Baustoffe wie Holz und Dämmmaterialien zuletzt deutlich: Konstruktionsvollholz verteuerte sich im Mai 2021 um 83,3% im Vergleich zum Vorjahresmonat, Dachlatten um 45,7% und Bauholz um 38,4%. Doch auch Stahl und erdölbasierte Produkte wie Bitumen legten preislich ordentlich zu, während beispielsweise Kies und Sand (+4,8%) oder Ziegel (+2,2%) nur leichte Preissteigerungen erlebten.

Das von den Preissteigerungen im Jahr 2021 besonders betroffene Holz wurde im Jahr 2020 bekanntermaßen sehr häufig bei Wohnhäusern im Fertigteilbau eingesetzt. Bei 88,1% der Baugenehmigungen im Fertigteilbau setzten die Bauherren auf Holz als Baustoff. 2020 verwendeten rund ein Viertel (23,1%) aller deutschen Bauherren von Ein- und Zweifamilienhäusern Holz für tragende Konstruktionen. Bei Nichtwohngebäuden machte Holz 21,0% der Baugenehmigungen aus.

Im Handwerk ist man aufgrund der Preise und Verfügbarkeiten alarmiert. Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) etwa hat die Landesregierung bereits vor einigen Wochen gebeten, einen Runden Tisch einzuberufen, um über kurzfristige Gegen- und Unterstützungsmaßnahmen zu beraten, wartet darauf jedoch noch immer.

„Schon seit Jahresbeginn spüren unsere Bau- und Ausbaubetriebe extremen Preisdruck und Lieferprobleme. Die Preise beispielsweise für Dachlatten haben sich innerhalb weniger Monate verdreifacht. Lieferanten verlangen teilweise Tages- oder Wochenpreise, was eine solide Kalkulation kaum möglich macht und auch auf Kundenseite nicht akzeptiert wird. Mittlerweile kommt es immer häufiger zu Verzögerungen bei laufenden Projekten oder sogar zu Auftragsstornierungen. Uns wurde berichtet, dass einige Betriebe wegen des Materialmangels bereits Kurzarbeit anmelden mussten – absurd angesichts eigentlich voller Auftragsbücher. In vielen anderen Bundesländern haben die Landesregierungen zwischenzeitlich sogenannte Materialgipfel mit der Bauwirtschaft einberufen. Wir hielten es für angebracht, wenn auch das neu geschaffene Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen einen solchen Runden Tisch zwischen Landesregierung und Handwerk zur Beschaffungsproblematik einberufen würde. Dort müssen kurzfristige Maßnahmen abgestimmt werden“, forderte kürzlich Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.

Nach einer aktuellen Blitzumfrage des BWHT unter den Fachverbänden sind Handwerksbetriebe vor allem von Engpässen bei Holz- und Holzprodukten betroffen. Daneben sind Engpässe bei Metallprodukten, Kunststoff (z.B. Dämmmaterial, Profile, Kabel, Bodenbeläge) und bei chemischen Produkten (z.B. Farben, Lacke, Putze, Kleber) spürbar.

Ein besonders prominentes Holzbauprojekt, das die derzeitige Marktsituation beeinträchtigt, ist das erste komplett hölzerne Wohnhochhaus Rotterdams, das zu 90% aus CLT errichtet werden soll. Kürzlich wurde die Pausierung des Projekts aufgrund des Holzpreisniveaus bekanntgegeben.

Veröffentliche Mitteilung