Austrofoma: Neuheiten aus der Seilkrantechnik

02. Dezember 2019
Quelle:
Fordaq MK
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Austrofoma_2019_SeilkrantechnikVom 8. bis 10. Oktober 2019 fand in Forchtenstein im Burgenland die diesjährige Austrofoma statt. Die Forsttechnikmesse ist der Schwerpunkt für Seilkrantechnik. Auch dieses Mal waren wieder einige Neuheiten zu sehen, teils noch als Konzept, teils auch bereits realisiert. Zunehmend gibt es auch Lösungen für kleinere Firmen und Waldbesitzer. Hier eine Übersicht.

MM Forsttechnik: Syncro 45 mit erhöhter Zugkraft

MM Forsttechnik Syncro 45MM Forsttechnik stellte mit dem Syncro 45 eine Weiterentwicklung des bekannten Syncrofalken 3to und dem Syncro Boost System ein Konzept zur Erhöhung der Zugkraft ohne Gewichtserhöhung vor. Es besteht in der Kopplung von Zug- und Hilfsseilwinde. Durch die Kopplung wird der Hilfsseilmotor zum zweiten Zugseilmotor. Die Zugkraft wird von 30 kN, die der Zugseilmotor allein erbringt um die 15 kN des Hilfsseilmotors auf insgesamt 45 kN gesteigert. Im 2-Seil-Betrieb kann zudem die Zugleistung auf 140 kW gesteigert werden. Dann wird die nicht benötigte Hilfsseiltrommel arretiert und die Kraft des Hilfsseilmotors wirkt durch die Kopplung auf die Zugseilwinde. Dadurch wird eine Steigerung der Seilgeschwindigkeit bei Lastfahrt auf bis zu 150% möglich. Das Syncro Boost System läuft derzeit als Prototyp und soll ab Mitte 2020 erhältlich sein.

Neu am Syncro 45 ist auch der Kombimast. Der einteilige 12 m lange Mast ist in 3m Höhe gelagert und wird für die Transportstellung zunächst nach vorn umgelegt und dann durch die Halterung der 4 Ankerseilwinden nach hinten verschoben. Ein am Mast verschiebbarer Arbeitskopf ermöglicht variable Arbeitshöhen von 9-15 m. In der passenden Höhe wird der Kopf arretiert. Der Kombimast ist ab Herbst 2020 erhältlich.

Bereits ab Anfang 2020 wird es den neuen stärkeren Elektroseilwagen Sherpa UE4 mit 4t Hubkraft geben.

Seik bringt Windenhänger

Seik LSW6 HängerDer Südtiroler Hersteller Seik hat auf der Austrofoma seine Langstreckenseilwinde LSW6 mit 6 Tonnen Zugkraft als Hängerversion vorgestellt. Das Zugseil ist bei 11 mm Stärke 1.800 m lang und hat eine Zugkraft von maximal 60 kN (6 Tonnen). Die Trommel für das Rückholseil war bei der ausgestellten Version geteilt. Sie fasst in dieser Version maximal 2500 m Seil in 10 mm Stärke. Die andere Hälfte der Spule enthält ein Dyneema-Seil zum Auslegen von Zug- und Rückholseil. Ein Mooring-System hält die jeweils passive Spule auf einem definierten Gegenzug. Angetrieben wird die Seilwinde von einem 6-Zylinder Perkins Turbodiesel-Motor mit 205 kW Leistung und 7 Liter Hubraum. Der Hydrauliktank fasst 215 Liter, der Arbeitsdruck beträgt maximal 350 bar, der Steuerdruck 24 bar. Der Windenhänger ist etwas größer als ein PKW und wiegt knappe 7 Tonnen.

Zwar nicht neu auf der Austrofoma, aber im Jahr 2019 hat Seik seinen kleinsten Laufwagen der Skytiger-Serie, den Skytiger ST20 vorgestellt. Er ist mit einer Zugkraft von 2 Tonnen für Durchforstungen auf kleinen Kippmastgeräten konzipiert und wiegt 500 kg.

Konrad stellt schwere Yarder-Version vor

Konrad Combi Yarder 3500Die Österreicher von Konrad Forsttechnik haben eine schwerere Version ihres bekannten Combi-Yarders vorgestellt. Konrad Woody 50-1Der Combi-Yarder 3500 hat 3,5 Tonnen Zugkraft und damit eine Tonne mehr als sein kleiner Bruder der Combi-Yarder 2500. Das Zugseil wird beim 3500 mit 10 Tonnen statt mit 8 Tonnen gespannt. Das Zugseil hat 500 m Länge und 11 mm Durchmesser (beim 2500: 10 mm) Die vier Ankerseile sind 70 m lang und 18 mm stark (2500: 16 mm). Der Yarder wird auf Baggerfahrzeuge von 16 bis 24 Tonnen Gewicht montiert. Vom 2500 wurden bereits einige Maschinen nach Japan verkauft. Der 3500 wurde auf der Austrofoma erstmalig gezeigt.

Passend zum Yarder bringt Konrad das neue Aggregat Woody 50-1. Es verfügt über eine umfangreichere Sensorik zur Steuerung des Andrucks von Walzen und Messern. Optional ist das Aggregat mit einer Zopfsäge erhältlich.

Koller mit Laufwagen-Prototyp, neuen Aggregaten und einer Europa-Premiere

Koller GSK$ KonzeptKoller Forsttechnik hat den Prototyp eines Grapple-Laufwagens vorgestellt. Der GSK 4 ist vor allem für den südamerikanischen Markt konzipiert. Dort werden die Ganzbäume auf der Seiltrasse vorkonzentriert und mit dem Greiferwagen abtransportiert. Das bedingt, dass die Stämme sehr exakt positioniert werden. Das Verfahren erspart die Aufarbeitung im Bestand. Der Prototyp wird derzeit gebaut und soll im Frühjahr 2020 fertig sein.

Koller P60Zu diesem Zeitpunkt sollen die neuen Koller-Aggregate bereits in Serie gehen. Die Prozessoraggregate P60 und P75 sind für den Einsatz an Baggern ab 20, bzw. 22 Tonnen und 150 PS Leistung oder an Kippmastgeräten konzipiert. Das P60 hat einen Kappdurchmesser von maximal 70cm und einen Entastungsdurchmesser von 8-60 cm. Beim P75 sind es 80 cm Kappdurchmesser und 7,5-70 cm Entastungsdurchmesser. Die maximale Vorschubkraft fällt beim P75 mit 60 kN deutlich höher aus als beim P60 mit 43 kN. Ohne Rotator wiegt das P60 1.500 kg, das P75 1.850 kg. Das P60 braucht 280-300 Liter Öl pro Minute, das P75 300-400 Liter, jeweils bei etwa 300-330 bar Arbeitsdruck. Optional gibt es für beide Aggregate eine Zopfsäge mit 45 cm Kappdurchmesser.

Parallel dazu entwickelt Koller das Harvesteraggregat H65 für den Einsatz im Bestand. Es hat einen Fälldurchmesser von maximal 65 cm. Der Entastungsdurchmesser beträgt 8-55 cm. Das H65 ist ebenfalls für den Einsatz an Baggern ab 20 Tonnen und 150 PS vorgesehen. Es benötigt 190-350 Liter Öl pro Minute bei 240-340 bar. Auch hier ist optional ein Zopfsäge mit 45 cm Kappdurchmesser vorgesehen.

Koller K602Neu auf dem europäischen Markt stellt Koller die LKW-Version des K 602-GH vor. Von diesem für die Bergaufseilung konzipierten Seilkran wurden bereits 18 Stück nach Südamerika verkauft. In Europa gab es ihn bis zur Austrofoma noch nicht. Er hat ein Tragseil von 650 oder 860 m Länge, je nach Seilstärke, 20 oder 22 mm. Es ist mit 105 kN gespannt. Das Zugseil ist 730 m lang und 12 mm stark und hat eine Zugkraft von 60 kN. Das Montageseil ist 1.700 m lang bei 6 mm Stärke. Der K 602-GH hat alternativ 4 oder 5 Abspannseile à 50 m Länge. Er kann mit einem starren Mast mit 10,7 m Höhe oder mit einem Teleskopmast eingesetzt werden. Der Teleskopmast hat zwei Arbeitshöhen, 10,4 und 13,6 m. Angetrieben wird der Seilkran vom 460 PS starken Euro-6-Diesel des Trägerfahrzeugs. Der getriebeunabhängige Nebenabtrieb stellt dauerhaft die volle Motorleistung zur Verfügung. Das Fahrzeug kostet je nach Ausstattung 580.000 bis 600.000 Euro.

Bereuter präsentiert serienreifen Grapple-Laufwagen

Bereuter MGW 3045Einen bereits in Serie gegangenen Grapple-Laufwagen stellten die Vorarlberger Spezialisten für Langstreckenseilkrane von Bereuter vor. Der Bereuter MGW 3045 Motorgreifwagen hat eine Hubkraft von 3 Tonnen und ist für Maschinen bis zu 5 Tonnen Zugkraft ausgelegt. Die Hubkraft erzeugt ein 4-Zylinder Dieselmotor Kubota V1505 mit 33 kW. Bei Bereuter konnte man die genaue Funktionsweise des Greifers sehen: Das Unterteil des Laufwagens, an dem auch das Zugseil angebracht ist und der Greifer hängt, senkt sich an zwei gegenläufig ausgespulten Seilen zum Holz ab. Die maximale Hubhöhe beträgt 30 m. Der Greifer schließt sich, das Unterteil zieht sich wieder zum oberen Teil des Laufwagens herauf und der Wagen wird zur Entladestelle gefahren. Die Bedienung erfolgt durch eine Person per Funkfernsteuerung. Einschließlich Rotator und Greifer wiegt der Laufwagen 1.300 kg. Einer dieser Greiferlaufwägen wurde bereits vor der Messe nach Chile geliefert. Die auf der Messe zu sehende Nr. 2 sollte gleich nach der Austrofoma ebenfalls nach Chile gehen. Und im Dezember sollen die Nummern drei bis sechs folgen, ebenfalls nach Chile, an einen Subunternehmer des Forstkonzerns Arauco.

Uniforest: Seilkran Cobra für Traktormontage

Uniforest CobraEinen brandneuen traktorbasierten Seilkran stellte Uniforest mit dem „Cobra“ vor. Der Name stand noch nicht einmal auf dem Gerät, so neu war es. Der Cobra wird an der Dreipunktaufhängung eines mindestens 120 PS starken Traktors montiert. Der Mast ist 9,50 m hoch und wird zum Transport über das Traktordach nach vorn geklappt. In der Transportstellung ist das Gerät noch 3,40 m hoch. Es bleiben also noch bis zu 60 cm Lifthöhe. Das Tragseil ist je nach Seilstärke (16 oder 18 mm) 410 oder 470 Meter lang. Es wird mit 75 kN gespannt. Das Zugseil ist 500 m lang und 9 mm stark und bei einer Laufgeschwindigkeit von bis zu 8 m/s mit bis zu 25 kN belastbar. Ein Rückholseil gibt es nicht, das System ist also ausschließlich für die Bergaufseilung geeignet. Das System hat vier Abspannseile mit 60 m Länge und 16 mm Durchmesser. Sie werden von vier getrennt steuerbaren Hydraulikmotoren gespannt. Alle Funktionen des Systems sind über eine Fernbedienung steuerbar. Der Bediener muss sich also nie im Gefahrenbereich aufhalten. Kombiniert wird der Cobra mit dem Laufwagen 2500 HS, der 180 kg schwer ist und eine Hubkraft von 25 kN hat. Uniforest hat bereits ein System verkauft. Auf der Austrofoma war die Nr. 2 zu sehen.

Maxwald zeigt Mast für Doppeltrommelseilwinde

Maxwald KleinseilbahnEbenfalls an der Dreipunktaufhängung montiert wird der Mast für die Kleinseilbahn von Maxwald. Das System kann mit jeder handelsüblichen Doppeltrommelseilwinde (bei reiner Bergaufseilung auch mit einer einfachen Seilwinde) betrieben werden. Die Steuerung des Seilkrans erfolgt dementsprechend über die Bremsen der Seilwinde. Das Tragseil befindet sich auf einer hydraulischen Tragseiltrommel, die optional mitgeliefert wird. Sie fasst maximal 400 m Seil bei 14 mm Seilstärke. Auf der Messe wurden die Varianten 400 m Trasse/12 mm oder die aufgebaute Variante 300 m bei 13 mm Tragseilstärke vorgestellt. Das Tragseil kann auch unabhängig von der Kleinseilwinde gespannt werden. Zug- und Rückholseil befinden sich auf der schlepperseitigen Doppeltrommelseilwinde. Die Seile sind entweder je 400 m lang bei 6 mm Stärke oder wie auf der Austrofoma zu sehen war, 300 m lang bei 8 mm Stärke. Der Mast ist 6,50 m hoch und hat abgeklappt über das Traktordach eine Transporthöhe von 3,20. Er wiegt lediglich 380 kg. Maxwald liefert auch den Laufwagen und weiteres Zubehör zu der Kleinseilbahn, wie Stützen und Tragsättel oder Umlenkrollen und Schäkel.