Österreichs Holzindustrie verzeichnete 2023 Absatzminus

23. Mai 2024
Quelle:
Fachverband/Fordaq
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„Die Holzindustrie hat sich im Jahr 2023 in einem schwierigen Umfeld verhältnismäßig gut gehalten. Die anhaltende Schwäche der Baukonjunktur hinterlässt Spuren auch in unserer Branche.“ Dieses Fazit zieht Mag. Herbert Jöbstl, Obmann des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs. Die 1289 Mitgliedsunternehmen des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs haben im Jahr 2023 Waren im Wert von 9,8 Mrd. € abgesetzt, das ist ein Rückgang von 18,5% im Vergleich zum Vorjahr. „Wir sehen den Trend einer rückläufigen Produktion in ganz Europa und weltweit. In Österreich ist die Holzindustrie angesichts der Rezession immer noch gut aufgestellt,“ betont Jöbstl. Aber auch die Exportzahlen sind niedriger. Der Außenhandelsüberschuss betrug 2023 1,5 Mrd. €, das ist ein Rückgang von 14%. „Auf den internationalen Märkten konnten sich unsere Betriebe auf hohem Niveau behaupten. Mit den richtigen wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, wird die Holzindustrie zukünftig erfolgreich bleiben“, hebt Jöbstl hervor.

Angesichts der andauernd schwachen Baukonjunktur plädiert der Fachverband der Holzindustrie für weitere Impulse, um die Auftragslage am Bau zu beleben. „Wir gehen davon aus, dass die Bauaktivitäten kurzfristig nicht zunehmen werden. Die Baugenehmigungen sind weiterhin rückläufig. Projekte, die jetzt nicht finanziert und genehmigt werden, werden später nicht gebaut“, sagt Dr. Andreas Ludwig, Obmann-Stv. des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs. Das jüngste Wohnbaupaket der Bundesregierung wird von den Interessenvertretern der Holzindustrie begrüßt. „Die Bundesregierung setzt mit dem Wohnbaupaket einen Schritt in die richtige Richtung. Bis tatsächlich Aufträge bei unseren Unternehmen ankommen, sind jedoch Übergangsmaßnahmen wie Stundungen und Ratenzahlungen für Forderungen des Finanzamts und der Sozialversicherungsträger nötig“, fordert Ludwig. Sollten die bisher verabschiedeten Maßnahmen nicht ausreichen, seien weitere Impulse notwendig, zum Beispiel die Rückerstattung der Mehrwertsteuer für Baudienstleistungen und -materialien. Auch die Verordnung für nachhaltige Vergabestandards bei der Finanzierung von Wohnimmobilien (KIM-VO) kann angesichts der hohen Zinsen und stagnierender Immobilienpreise ausgesetzt werden, um den Zugang zu privaten Baufinanzierungen nicht zusätzlich einzuschränken. „Wenn die schwache Baukonjunktur noch lange anhält, werden wir Fachkräfte und Produktionskapazitäten dauerhaft verlieren. Sollte die Nachfrage später wieder anziehen, ohne dass ausreichende Produktionskapazitäten zur Verfügung stehen, drohen erneut Lieferengpässe und steigende Preise für Baumaterialien“, warnt Ludwig und fordert: „Wir drängen daher weiterhin auf antizyklische Investitionsanreize, um die heimische Wertschöpfung und Arbeitsplätze zu erhalten sowie den benötigten Wohnraum zu schaffen.“

Über Wald und Holz wurde in der bald endenden Legislaturperiode des Europäischen Parlaments im Zusammenhang mit dem Green Deal häufig und kontrovers debattiert. „Vom neu gewählten EU Parlament und von der neuen EU Kommission erwarten wir einen Green Deal mit der Wertschöpfungskette Holz und nicht über unsere Köpfe hinweg“, fordert Herbert Jöbstl.

Eine der größten Belastungen für die Holzindustrie infolge europäischer Gesetzgebung ist die EU Entwaldungsverordnung, kurz EUDR. „Selbstverständlich begrüßt die Holzindustrie das Ziel der EUDR, die globale Entwaldung zu stoppen. Das grundlegende Problem der EUDR ist, dass sie gemessen am Bürokratieaufwand keinen Mehrwert bringt“, betont Jöbstl und erläutert: „Die EUDR gilt nicht nur für den Import in die EU, sondern zusätzlich für Herstellung und Handel innerhalb der EU. Die Entwaldung umfangreicher Flächen findet auf anderen Kontinenten statt, nicht in Österreich oder Europa. Dennoch müssen unsere Mitglieder nachweisen, dass von ihnen verarbeitetes Holz nicht durch Entwaldung in den Markt gekommen ist. Dabei versorgen sich unsere Betriebe hauptsächlich aus Österreich und angrenzenden Regionen unserer Nachbarländer.“ Obwohl die EUDR ab Jänner 2025 anzuwenden ist, sind noch viele Fragen der Umsetzung offen. Daher fordert die Holzindustrie eine längere Umsetzungsfrist und dass die EU Kommission für die weitere Umsetzung die Prozesse in der Lieferkette und die betriebliche Praxis berücksichtigt. „Die EUDR muss nach den Wahlen zum Europäischen Parlament grundlegend überarbeitet und an die praktischen Anforderungen angepasst werden. Länder mit nachweislich stabiler, zunehmender Waldfläche, nachhaltiger Waldbewirtschaftung und funktionierendem Gesetzesvollzug sind von den unnötigen bürokratischen Hürden auszunehmen“, fordert Jöbstl.