Rohstoffgipfel 2018: Blick in die Blackbox – Was Kleinstwaldeigentümer wollen

Quelle:
IHB MK
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Ziele von Kleinstwaldeigentümern haben wenig mit Holzmobilisierung zu tun

Auf dem AGR Rohstoffgipfel 2018, der am 14. März zum Auftakt des Sägewerkskongresses stattfand, gewährte Dr. Björn Seintsch vom Thünen-Institut dem Publikum einen Blick in die Köpfe einer begehrten Zielgruppe: Die Kleinstwaldeigentümer. Rund die Hälfte des Waldes in Deutschland befindet sich in privater Hand, davon ist wiederum die Hälfte Klein- und Kleinstprivatwald mit Flächengrößen von unter 20 ha, davon hat wiederum die Hälfte eine Fläche von unter 5 ha, also insgesamt etwa ein Achtel des Gesamtwaldes von etwa 11,4 Mio. ha.

Mit ihnen hat sich Seintsch in einer repräsentativen Umfrage befasst, die im Sommer 2017 durchgeführt wurde. Es wurden jeweils 1.200 Privatwaldeigentümer und Nicht-Waldeigentümer befragt. Laut der Umfrage gibt es in Deutschland 1,82 Mio. Privatwaldeigentümer, davon 95,5% mit einer Flächengröße unter 20 ha. Durch Generationenwechsel kommen jedes Jahr 65.000 neue Waldeigentümer hinzu. Der durchschnittliche Waldeigentümer ist 52 Jahre alt. Der Frauenanteil beträgt 41%.

Von der Holzbodenfläche (10,9 Mio. ha) liegen 5% in der Größenklasse 10-20 ha, 7% in der Größenklasse 5-10 ha und 14% in der Größenklasse unter 5 ha.

Laut der Sinus-Milieustudie sind über die Hälfte der Privatwaldeigentümer eher konservativ. 21% gehören zur „Bürgerlichen Mitte“, 25% zu den „Konservativ-Etablierten“ und 9% zu den „Traditionellen“. Ein weiteres Drittel gehört zur eher progressiven Oberschicht darunter vor allem „Performer“ (13%), „Liberal-Intellektuelle“ (10%) und „Sozialökologische“ (7%).

Der Kleinwaldeigentümer ist Idealist

Bei den Zielsetzungen hinsichtlich ihres Waldes dominieren bei den Kleinwaldeigentümern ideelle Werte. 90% stimmen dem „voll“ oder „eher“ zu. Nur eine Minderheit von 8% will aus ihrem Wald in erster Linie finanzielle Erträge erzielen.

Privatwaldeigentümer sehen ihren Wald in erster Linie durch den Klimawandel gefährdet. Für nicht-Waldeigentümer ist die größte Gefahr für den Wald der Mensch. Die Waldbewirtschaftung findet offenbar gesellschaftlich eine breite Akzeptanz. Daraus könnte sich ein weiteres Mobilitierungspotenzial bei Kleinwaldeigentümern ergeben, so Seintsch. Allerdings geben Kleinwaldeigentümer, ähnlich wie die breite Gesellschaft, der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen den Vorzug vor Holznutzungs- oder Erholungsmaßnahmen.

Nutzen Kleinwaldeigentümer ihren Wald, so in erster zur Selbstversorgung (69%) aus Forstschutzgründen (54%) oder aus Gründen der Waldpflege (48%). Erst deutlich dahinter kommen finanzielle Gründe (14%) und gute Holzmarktpreise (13%). Die Holzerntemenge im Kleinprivatwald liegt allerdings nicht weit unter dem Bundesdurchschnitt über alle Besitzarten von 7,0 Efm/ha/a. Im Kleinprivatwald (<20 ha) sind es 6,2 Efm/ha/a, im Kleinstprivatwald (<5 ha) immerhin noch 5,8 Efm/ha/a.

Absage an Vereinsmeierei – Mobile Datennutzung Standard

Nur 30% aller Klein- und Kleinstwaldeigentümer sind Mitglied in einem forstwirtschaftlichen Zusammenschluss. Von den restlichen 70% kennen immerhin rund 70% einen solchen. Ebenso viele wollen dennoch nicht in eine solche Selbsthilfeeinrichtung eintreten. Die Gründe dafür sind noch spekulativ. Ein vermuteter Grund könnte die oft konservative Vereinsatmophäre bei Treffen solcher Einrichtungen sein, wie in der folgenden Diskussion ausgeführt wurde. Dazu kämen die Schwerpunktsetzungen der Zusammenschlüsse auf Mengenbündelung und Holzvermarktung, die wie Seintsch vorher gezeigt hatte, für einen Großteil der Waldeigentümer weniger interessant sind.

Besser als auf der FBG-Versammlung erreicht man die meisten Waldeigentümer inzwischen offenbar online. Bei der Frage nach der Nutzung von mobilen Endgeräten wie Handy oder Tablet liegen die Waldeigentümer sogar leicht über den Werten der breiten Gesellschaft.

Die Vertrauensperson für die Waldeigentümer ist glasklar der staatliche Förster. Erst weit hinten folgen FBG-Vorstände. Und auch die Beratungswünsche der Waldeigentümer liegen abseits der Holzernte. Die Favoriten sind Waldpflege (51%), Naturschutzmaßnahmen (45%) und Klimaschutzmaßnahmen (38%). Dann folgt der waldumbau mit 33% und erst danach kommen Holzernte und Holzvermarktung mit 24% und 21%.

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