Rundholz-Themen dominierten den ersten gemeinsamen Sägewerkskongress vergangene Woche in Rosenheim. Ob Rudolf Freidhager, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) als Verteidiger der neuen Einkaufsstrategie, Waldmärkerschaft Geschäftsführer Dr. Markus Hecker als Kartellklagen-Unterstützer oder ProPellets-Geschäftsführer Dr. Christian Rakos als Rohstoff- Kassandra – direkt oder indirekt schwang bei vielen Vorträgen der Kampf ums Rundholz mit.
Bayerische Staatsforsten reduzieren Einschlag
"Wir wollen kein Betrieb mit 10 Kunden werden", versuchte Rudolf Freidhager den in den vergangenen Wochen immer lauter werdenden Vorwurf von Sägerseite zu relativieren. Viele Betriebe fühlen sich gegenüber den Großsägewerken benachteiligt. Der Vorstandsvorsitzende des Staatsbetriebs betonte, dass die Qualität, nicht die Größe eines Sägewerks für eine Zusammenarbeit ausschlaggebend sei. Selbst eine Werksvermessung sieht Freidhager nicht als unabdingbar für eine Zusammenarbeit an. In Rosenheim sahen Säger dies als Widerspruch zu den hohen Zielen der Frei-Werk-Lieferung. Die Bayerischen Staatsforsten wollen von 500.000 fm 2005/2006 die Menge kontinuierlich auf 3,8 Mio. fm 2010/2011 steigern. Große, überregional einkaufende Sägewerke würden weiterhin von den sechs Kundenbetreuern versorg (85% der Verkaufsmenge), kleine und mittlere Kunden dezentral über die 41 Forstbetriebe (15% der Verkaufsmenge). Bei den Anteilen werde es keine Veränderung geben, aber bei den Namen der belieferten Betriebe. "Wir sind konstant auf der Suche nach den besten Partnern", lies Freidhager in Rosenheim die Säger die Situation des Verkäufermarktes spüren. Hierzu zählt er auch die Akzeptanz von Jahresverträgen.
Sind die bayerischen Staatswälder übernutzt? Freidhager kündigte in Rosenheim an, dass man den Einschlag von aktuelle 5,4 Mio. fm reduzieren werde. Auch soll 2007 für die Staatswaldflächen eine Forsteinrichtung durchgeführt werden, um die Operate auf neuesten Stand zu bringen.
Privatwaldmobilisierung und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH): Die großen Unbekannten
Skeptisch, ob genügend Rundholz für die neuen Sägewerke auf den Markt kommt, ist Prof. Gero Becker. "Die Forstverwaltungen bekommen Angst vor der eigenen Courage, so groß ist die Decke nämlich gar nicht", goss Becker den Sägern in Rosenheim Wasser in die Investitions-Euphorie. Wenig überraschend sieht er die Privatwald-Mobilisierung als große Unbekannte. In Rosenheim lenkte der Freiburger Professor den Blick auf zwei von der Sägeindustrie bislang wenig beachtete Mitbewerber um die Waldressourcen: Die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH bzw. Natura 2000) und die Holzenergie. "Energie ist Emotion, deshalb reagieren Politiker in den Energiemarkt rein", warnte Becker davor, dass von politischer Seite eher die Warme Stube des Bürgers als die Holzindustrie-Ansiedlung in 150 km Entfernung Unterstützung findet.
Wer mobilisiert besser – Staatswald-Förster oder FBG-Geschäftsführer?
"Herr Dr. Rettenmeier, meine Unterstützung hat der VDS bei der Kartellklage!" Von ungewöhnlicher, nämlich Forstseite, bekam in Rosenheim die Sägeindustrie Unterstützung bei der Kartellklage. Hecker sieht in den Landesforstverwaltungen neben Holzhandel aber auch der Holzinustrie einen der größten Bremser auf dem Weg zu größeren und effektiveren forstlichen Zusammenschlüssen.
Bei den Gegnern der Kartellklage, in erster Linie Pollmeier-Sprecher Lars Schmidt, löste die Aussage vom Geschäftsführer der Waldmärkerschaft Uelzen, Dr. Markus Hecker, Kopfschütteln aus. Hecker sieht den schwarzen Peter der mangelnden Rundholzmobilisierung im Privatwald bei den staatlichen Forstverwaltungen. Unterstützung bekam Hecker vom VDS-Vorsitzenden Dr. Josef Rettenmeier: "Das Einheitsforstamt behindert die Holzmobilisierung im Privatwald." Auch Prof. Gero Becker sieht das Problem, dass die Rundholzmobilisierung bei vielen Forstbeamten nicht zur Dienstaufgabe zähle.
Ganz anders sieht man dies bei Pollmeier, einem aus Sägerreihen erklärten Gegner der Kartellklage und Befürworter des Einheitsforstamts. Pollmeier-Sprecher Schmidt verwies auf eine von der Universität Göttingen im Auftrag erstellten Studie. Diese zeige in Bundesländern mit Einheitsforstämtern im Privatwald deutlich höhere Nutzungsprozente. Länder wie Bayern mit ausgeprägter Forstbetriebsgemeinschafts-Struktur.
Wenn auch das Pelletwerk Waldholz braucht
Der Kampf ums Rundholz dürfte sich in den kommenden Jahren sogar noch verschärfen, wenn man die Wachstumszahlen bei den Pelletheizungen schaut. Bereits heute sind die Zeiten vorbei, in denen die trockenen Hobelspäne für die Pelletproduktion ausreichten. Während im Konferenzsaal Dr. Christian Rakos, ProPellets Austria, auf die Notwendigkeit hinwies, verstärkt Hackgut, Holz aus Kurzumtriebswäldern oder Stroh einzusetzen, um die weiter rasant steigende Pelletsnachfrage zu decken, konnten vor dem Saal die Maschinenbauer schon von ersten Aufträgen berichten. So liefert Bruks derzeit Scheibenhacker und Hammermühle nach Norwegen, um ein neues Pelletwerk auf Basis von Hackschnitzeln aus Waldholz auszustatten.
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