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Rundholzmobilisierung: Pollmeier überrascht auf Sägewerkskongress
09/02/2007 - 15:00
Holzernte Rundholzmobilisierung PrivatwaldNatürlich kann man es sich bei der Rundholzmobilisierung auch einfach machen: "Wenn sich die Holzindustrie mit der Rundholzmobilisierung beschäftigt, ist das einfach nur ein Zeichen für Überkapazitäten." Im Gegensatz zu dem zitierten Sägerkollegen hat Buchen-Tycoon Ralf Pollmeier die Rundholzmobilisierung für seinen Betrieb zu einem der wichtigsten "strategischen Unternehmenszielen" erklärt. Auf dem 2. Sägewerkskongress in Ulm vom 5.-6. Februar 2007 überraschte er nicht nur mit seinem Auftritt. Das ehemalige Enfant terrible der deutschen Sägeindustrie präsentierte sich mit seinen Gedanken zu Rundholzmobilisierung in der Manier eines Elder Statesman. Pollmeier kritisierte die von Ideologien geprägte Diskussion: "Einige wollen bei diesem Thema die grundsätzliche Klärung ob Staat oder Privatwirtschaft besser sind." Er rief in Ulm zu einem "Wettstreit der unterschiedlichen Konzepte auf." Überraschung No. 2: Pollmeier kündigte in Ulm an, bundesweit Holzmobilisierungsaktivitäten zu unterstützen. Das Unternehmen stellt bundesweit Forstverwaltungen, Holzindustrie, Verbänden, Forst-Zusammenschlüssen und Forstunternehmern eine spezielle Software zum Projektmanagement kostenlos zur Verfügung.
Auf dem Sägewerkskongress konnten Ralf Pollmeier sowie seine Mitarbeiter Lars Schmidt und Yves Ludwig erste Ergebnisse des gemeinsamen Mobilisierungsprojekts mit der Landesforstverwaltung Thüringen, der 'Privatwaldförderung Thüringen', präsentieren. Im Gegensatz zum Freiburger Forstprofessor Gero Becker setzt man bei Pollmeier im Rahmen des Private-Public-Partnerships (PPP) auf vorhandene Strukturen der Forstverwaltungen.
Holzernte Rundholzmobilisierung PrivatwaldDen großen Vorteil von Thüringenforst sieht Lars Schmidt in den Revierförstern: "Die Revierleiter sind flächendeckend vertreten und haben in der Bevölkerung eine enorm hohe Vertrauensbasis, da sie in ihren Entscheidungen wirtschaftlich unabhängig sind." Die Holzindustrie bringt neben Geld die Erfahrung aus Marketing und Vertrieb ein, damit das Produkt "Beförsterung" an den Mann gebracht wird.
"Vor der Holzmobilisierung kommt die Waldbesitzermobilisierung", sagte Schmidt. In Thüringen will man 100.000 ha bislang nicht oder nur unregelmäßig genutzter Waldfläche in die Bewirtschaftung bringen. Hier kommt die Software ins Spiel. Bei einer durchschnittlichen Besitzgröße von 1 ha müssen die Abläufe der "Waldbesitzermobilisierung" rationell und effizient über eine genau festgelegte Datenstruktur erfolgen, ähnlich wie es im Vertrieb durch Customer-Relationship-Programme (CRM: Customer related management) erfolgt. Die Revierförster stellen die emotionale Bindung zum Waldbesitzer her. "Die beste Software hilft nicht weiter, wenn man vor Ort keinen Zugang zum Waldbesitzer bekommt", machte Schmidt klar.
Nach Angaben von Yves Ludwig konnten durch persönliche Anschreiben über den Revierförster und PR-Arbeit durchschnittlich 103 Waldbesitzer bei den bislang fünf Informationsveranstaltungen begrüßt werden. Die Waldbesitzer repräsentierten meist über 50% der Flächen. Das Projekt ist Mitte September gestartet. Seitdem hat hatte man Kontakt zu 950 Waldbesitzern mit einer Gesamtwaldfläche von über 1700 ha. Den Arbeitsaufwand für die Mobilisierung berechnet man bei Pollmeier während der Startphase mit 22 Manntagen/100 ha bis zum Zeitpunkt der Übergabe an Forstverwaltung oder Forstbetriebsgemeinschaft.

Weitere Informationen
www.privatwald.org
(IHB Fehrle Foto: Fehrle)
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