Während sich viele Organisationen der Forstwirtschaft und Holzindustrie noch den Kopf über die Rundholzmobilisierung zerbrechen, kann das von Pollmeier initiierte Projekt wald-wird-mobil.de die ersten Praxiserfahrungen aufweisen. Auf der Auftaktveranstaltung am 24. April 2008 in Göttingen konnte der Geschäftsführer der gemeinnützigen Organisation, Lars Schmidt gemeinsam mit den Referenten aus Forstwirtschaft und Holzindustrie das Kernprodukt für die Rundholzmobilisierung präsentieren: die das auf einer Internetplattform basierende CRM-System (Customer-Relationship-Management). Mit diesem in ähnlicher Form in jedem Konzern eingesetzten Verfahren, die Kundenbeziehungen zu verwalten und zu strukturieren, soll der Kontakt zu tausenden Waldbesitzern in Deutschland hergestellt werden. Eines machten alle Referenten ähnlich wie Lars Schmidt deutlich: "Der Waldbesitzer und nicht das Holz muss mobilisiert werden." Auch räumte der gelernte Förster mit Unterstützung weiterer Vertreter aus der Holzindustrie wie Klaus Müller, Stora Enso, mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: "Hohe Holzpreise mobilisieren kein Holz."
"Förster sehen zuerst den Wald und dann erst den Mensch", machte der Forstwissenschaftler Prof. Max Krott auf die wichtigste Ursache für das Scheitern vieler bisheriger Mobilisierungsprojekte aufmerksam. Das CRM-System ermöglicht es, gezielt und dauerhaft - im Förster-Deutsch "nachhaltig" – mit den Waldbesitzern in Kontakt zu bleiben. "Das CRM-System ist mehr als eine Adressdatei", beschrieb Schmidt in kurzen Zügen das intergierte Projektmanagementsystem und zusätzlichen Infomöglichkeiten wie Parzellengröße, Baumartenverteilung oder Luftbilder. Eines macht wald-wird-mobil aber nicht – es organisiert nicht den Holzeinschlag oder den Holzverkauf. Wald-wird–mobil stellt die oft verloren gegangene Beziehung zwischen Waldbesitzer, seinem Eigentum und der Bereitschaft zur Holznutzung wieder her.
Neben dem "Mensch vor Wald"-Ansatz prägten noch zwei weitere Punkte die Göttinger Veranstaltung: Datenschutz und die Bedeutung des Gemeinschaftsforstamt mit seinen Revierförstern. Als Vertrauensperson vor Ort spielten die Revierförster in allen bisherigen Mobilisierungsprojekten eine wichtige Rolle. Auch die Forstwirtschaftlichen Vereinigungen können ihnen dabei nicht das Wasser reichen, wie Krott deutlich machte. "Wenn wir das Gemeinschaftforstamt nicht hätten, müssten wir es erfinden", betonte der Privatwaldreferent der Landesforsten Rheinland-Pfalz, Wienan Schmitz die eigene Rolle im Mobilisierungsteam aus Waldbauverein und wald-wird-mobil.
Auch heikle Punkte wie ein möglicherweise zu großes Engagement der Holzindustrie kamen in Göttingen zur Sprache. Hans Baur, Geschäftsführer des Bayerischen Waldbesitzerverbands, bestätigte die anfängliche Skepsis über einen zu großen Eingriff der Holzindustrie auf die Forstwirtschaft. Er machte aber auch die Prioritäten für seinen Verband klar, für die Allianzen notwendig sind. "Der Bessere wird sich durchsetzen", rechnet Baur in spätestens in zwei Jahren mit dem Einstieg der Bayerischen Staatsforsten (BaySF) in das Geschäft mit den Privatwaldbesitzern nach Vorbild der Österreichischen Bundesforste (ÖBf). Für die Forstbetriebsgemeinschaften und Forstwirtschaftlichen Vereinigungen wird dies eine starke Konkurrenz bedeuten.
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