Möbelmarkt Brasilien: Neue Export-Perspektive

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VHK/IHB
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Großes Interesse und viel positive Resonanz fand am 1. März die Informationsveranstaltung „Möbelmarkt Brasilien – Chancen für Import und Export“ in den Räumen der IHK in Bielefeld. Sieben Fachreferenten zeichneten vor 40 Branchenteilnehmern ein sehr differenziertes Bild des dortigen Möbelmarktes.

Großer Markt – mit kleinen Fehlern
Brasilien gehört zu den Ländern, die sich in den letzten Jahren wirtschaftlich am schnellsten entwickelt haben. Die jährlichen Wachstumsraten lagen kontinuierlich zwischen fünf und sieben Prozent, und so ist das Land mittlerweile zur einer der größten Volkswirtschaften der Welt aufgestiegen. Stütze des Aufschwungs in Brasilien ist der stabile Binnenmarkt mit einer sehr hohen Konsumquote. Rund 60 Prozent der Brasilianer sind jünger als 40 Jahre und somit in einem besonders konsumfreudigen Alter. Wohnungseinrichtung ist daher für sie ein wichtiges Thema.

Im Zuge der anstehenden Sportgroßereignisse Fußballweltmeisterschaft (2014) und Olympische Sommerspiele (2016) in Brasilien werde das Land in den nächsten Jahren durchstarten, prophezeit Titze. Auch Karlheinz K. Naumann sieht Brasilien in diesem Zeitfenster als lohnenden „Spotmarkt“ für das Objektgeschäft, besonders in den bevölkerungsreichen Ballungsräumen Rio de Janeiro und São Paulo. Ob das Land jedoch langfristig für die deutsche Möbelindustrie relevant werden könne, sei noch nicht sicher, stellte Titze zur Diskussion. Als größte Hindernisse sahen alle Referenten die hohen Importzölle und steuerlichen Abgaben, Einfuhrkontingente, eine unberechenbare Wirtschaftspolitik, Korruption und Kriminalität, den Mangel an qualifizierten Fachkräften sowie eine unzureichende Fremdsprachenkompetenz der Arbeitskräfte.

Als lohnende Möbelmessen, die in Brasilien traditionell im Zweijahresturnus stattfinden, empfahl Frank Haubold von der Koelnmesse den Herstellern die Movelsul in Bento Gonçalves, die Brasil Móveis in São Paulo sowie spezielle „Design Weeks“ für den Highend-Bereich. Hochinteressant für Zulieferer oder Maschinenbauer sei die FIMMA in Bento Gonçalves. Wegen abweichender Handelsstrukturen im Vergleich zum europäischen Markt sieht Haubold die Suche nach einem Partner vor Ort in Brasilien als gute Einstiegsmöglichkeit für deutsche Unternehmen. Dr. Frank Blom konnte zum Thema Logistik einige praktische Hinweise geben: So sei es ratsam, die Waren erst dann auf den Weg zu bringen, wenn auch wirklich alle Genehmigungen und Dokumente vorlägen. Wer als „Anfänger“ auf Nummer sicher gehen und sich nicht mit den diversen Zöllen, Steuern und zusätzlichen Abgaben beschäftigen wolle, solle bei den Incoterms die „FOB“ (Free on Board) wählen.

Perspektiven für Maschinenhersteller
Für Maschinenhersteller wie Hymmen biete Brasilien vor allem Absatzmöglichkeiten im Großanlagenbau, stellte Dr. René Pankoke in seinem Vortrag fest. Für sein Unternehmen habe sich das Engagement bislang ausgezahlt. Besonders gute Chancen – da auf dem lokalen Markt so nicht vorhanden – hätten Beschichtungspressen, Laminatpressen und industrieller Digitaldruck (DGP). Geringe Aussichten wegen örtlicher Konkurrenz und hoher Zollschranken gebe es jedoch bei Lackier- und Druckanlagen.

Produktion in Brasilien
Martin Kohnle beleuchtete schließlich die Strukturen der Möbelherstellung in Brasilien. Die Produktion ist vor allem im Süden des Landes in den Regionen Rio Grande del Sul und Santa Catarina konzentriert. Im Jahr 2010 zählte der brasilianische Möbelsektor 293.300 Beschäftigte in insgesamt 16.300 Unternehmen. Die Durchschnittsgröße lag bei 18 Mitarbeitern. Der Gesamtumsatz der Branche betrug 2010 ca. 13.8 Mrd. €. Derzeit sei ein Trend hin zu individuell geplanten Möbeln (Losgröße 1) erkennbar, so Kuhnle. Die brasilianischen Möbelhersteller seien zwar technisch gut aufgestellt, aber die Prozessabläufe seien weniger effektiv organisiert als in Deutschland. Als große Herausforderung nannte er die abnehmende Verfügbarkeit von qualifizierten Fachkräften. Mangelnde Berufsausbildung zwinge die Firmen, bei der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern selbst aktiv zu werden. Handlungsbedarf gebe es auch in der Ausstattung der Unternehmen mit Software in brasilianischer Sprache.
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