Die Navigationsspezialisten von Logiball haben dem Landesbetrieb Wald und Holz eine System speziell zur Sturmholz-Logistik geschneidert. Schließlich müssen bis zu 16 Mio. Fm Sturmholz möglichst schnell aus dem Wald gefahren werden. Eine logistische Herausforderung, die nur mit Kartenmaterial und Navigationssystemen zu bewältigen ist, das laufend auf dem aktuellen Stand sind und das komplette Waldwegenetz mit einer Vielzahl so genannter Attribute beinhaltet. Standardnavigationssysteme, wie sie derzeit in jedem Discounter erhältlich sind, kommen für den zuständigen Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen nicht in Frage: „Weder Kartenmaterial mit dem entsprechenden Waldwegenetz noch die nötigen Sonderziele sind in den gängigen Systemen enthalten“, so Hartwig Dolgner vom Landesbetrieb, zuständig für die Einführung der Navigationslösungen. Selbstverständlich wird das Navigationssystem auch nach Beendigung der Sturmholzaufarbeitung weiter eingesetzt.
Spezialkarte plus Förster-Wissen
Grundlegender Bestandteil dieser Lösung ist eine Spezialnavigationskarte, die ein detailliertes und qualitätsgesichertes Waldwegenetz für Nordrhein-Westfalen enthält. „Wir verwenden als Basis für eine optimale Lösung die aktuellsten Informationen über die öffentlichen Straßen von Navteq ergänzt um das Wald- und Feldwegenetz aus amtlichen Quellen“ stellt Hr. Badura als Verantwortlicher für die Datenprodukte bei Logiball die Deutschland Plus Karte vor, die bereits seit Jahren bei Energieversorgern zum Einsatz kommt. Die Waldwege der Deutschland Plus Karte bedürfen jedoch einer zusätzlichen Qualifizierung durch die zuständigen Förster der Forstbetriebsbezirke.
Die erste Aufgabe im Rahmen der Generierung der Forstnavigationskarte lautete, jeden Weg in jedem Bezirk genau hinsichtlich Verlauf und Befahrbarkeit zu charakterisieren. Logiball arbeitet in diesem Zusammenhang bereits seit 2003 mit dem Landesbetrieb zusammen, so dass eine Datenbasis „Forst“ vorhanden ist. Für die aktuell nötige Navigationskarte im Zusammenhang „Kyrill“ sollten alle Wege erneut unter die Lupe genommen und klassifiziert werden – unter Berücksichtigung des GEODAT-Standards. Diese vom Kuratorium für Wald und Forst (KWF) herausgegebene Formatbeschreibung legt den Aufbau einer Datenbasis fest, die für Routing- und Navigationszwecke in der Holz- und Forstwirtschaft optimiert ist.
Für die Qualifizierung stellte LOGIBALL ein GIS-Datenmodell auf ArcGIS-Basis inklusive Straßen und Wegen, Waldflächen sowie jeder Menge forstspezifischer Points of Interest (POIs) entsprechend des GEODAT Standards für jedes Gebiet zur Verfügung. Für die 35 Forstämter wurden somit 35 entsprechende Anwendungen inklusive Karten und Daten der Region ausgerollt.
Forst-Autobahn oder Fußweg?
Nach einführenden Schulungen in den Forstämtern waren die Förster in der Lage, jeweils ihr Gebiet zu bearbeiten. So wurden Waldwege hinsichtlich der Befahrbarkeit klassifiziert: Kann auf diesem Weg ein Holz-LKW mit z.T. mehr als 40t Gewicht fahren? Oder handelt es sich lediglich um einen Pfad, der höchstens zu Fuß begehbar ist? Weiterhin wurden diverse POIs erhoben: Wo schränken Restriktionen wie niedrige Brücken, ein eingeschränktes Lichtraumprofil, starke Steigungen oder scharfe Kurven die Befahrbarkeit ein? Wo verhindern Schranken das Einfahren in einen Waldweg? Jedes Hindernis, welches ein Fahrzeug im Wald behindern könnte, wurde in das GIS Datenmodell aufgenommen.
Als Resultat erhielt Logiball eine Unmenge an Daten über die derzeitige Wegesituation in NRW, die es in eine Navigationskarte umzuwandeln galt. Alle Informationen wurden bei Logiball über diverse, standardisierte Prozesse mithilfe des hauseigenen Produktes GDF SUITE und unter Durchführung einer Vielzahl von Qualitätssicherungsanalysen in die Navigationskarte Forst-NRW eingebracht.
Bis zum Polter navigieren
Gemeinsam mit der Anwendung NavigatoR von Navigon und einer entsprechenden Hardware – von Notebook über PDAs bis Pocket PC Phones - hilft die Spezial-Forstnavigationskarte bei diversen internen und externen Anwendungsfällen: Forstbetriebsbeamte können mit dieser Anwendung Polterstandorte oder ganze Anfahrtsrouten zur Organisation der Abfuhr speichern und weiterleiten. Forstunternehmer finden den kürzesten Weg mit dem Harvester zum Sturmholz und Transporteure aus ganz Deutschland navigieren problemlos zum Polter in NRW.
Darüber hinaus lassen sich im Geoinformationssystem der Forstverwaltung Touren und Routen vorplanen und gezielt an die mobilen Anwendungen aller Akteure übermitteln.
Mehr als nur Sturmholz – Einsatz gegen Waldbrand
Doch die Forstnavigation bewährt sich nicht nur bei der Sturmholzbeseitigung: „Der Einsatz dieser Technologie geht über Kyrill hinaus“, so Hartwig Dolgner.
Aufgrund des ungewöhnlich trockenen Wetters im April in Kombination mit den großen Reisigmengen hat sich die Waldbrandgefahr erheblich erhöht: Das Sturmholz, in erster Linie Nadelhölzer, bietet reichlich Brandmaterial, weiterhin gibt es für die Rettungskräfte im Fall eines Feuers große Probleme den Brandherd zu erreichen, da viele Wege noch durch das liegende Holz versperrt sind. Eine Aufnahme der aktuellen Kyrill-Schäden soll hier dem Ernstfall vorbeugen.
Durch Überfliegungen der Waldgebiete erfolgte zunächst eine Kartierung der Windwurfschadflächen. Die Luftbilder zeigten deutlich das Ausmaß des Sturms und jede Fläche kann dank einer einheitlichen Nummerierung in ganz NRW problemlos identifiziert werden.
Diese Gebiete fließen in eine so genannte Waldbrandabwehrkarte ein. Auf den digitalen und analogen Karten sind neben den Schadflächen auch alle befahrbaren Wege sowie Löschwasserentnahmestellen in Form von Flächen- und Fließgewässern sichtbar. Weiterhin sind die Exposition der Hänge und die Höhe über Normalnull (NN) eines jeden POI dargestellt. Hintergrund der Darstellung der Hanglage ist, dass Südhänge bzw. Südwesthänge ein deutlich erhöhtes Waldbrandpotenzial darstellen und somit unter besonderer Beobachtung stehen. Die Feuerwehren planen anhand dieser Karten u.a. die Zufahrtswege zu den möglichen Brandflächen und ordnen die vorrangige Räumung dieser Wege an.
Auch in der Navigation sind die Kyrill Folgen nun zu erkennen: Jede Schadfläche wird mit der eindeutigen Kennung als POI angezeigt. Eine direkte Navigation zur Windwurfschadfläche bzw. zum Brandherd ist für die entsprechenden Feuerwehren somit möglich. Die Navigationslösung wird bereits von einigen Feuerwehren in Einsatzleitwagen (ELW) eingesetzt. Diese Lösung soll weiter ausgebaut werden: „Der Einbau von weiteren feuerwehrrelevaten POIs zur Waldbrandbekämpfung und Katastrophenabwehr soll zukünftig für mehr Sicherheit sorgen“, so Friedrich Hein, Waldbrandbeauftragter des Landesbetriebs. Hein weiter: „Wir planen zusammen mit Logiball die Erweiterung der Datenbasis um die Unterscheidung von Laub- und Nadelholz, Hydranten und weiterer brandschutzrelevanten Informationen.“
Weitere Informationen:
LOGIBALL GmbH
Thomas Sbikowski
Westring 303
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Tel.: +49/(0)2323/925-584
Fax: +49/(0)2323/925-551
E-mail: sbikowski@logiball.de
Internet: www.logiball.de
Angebot: PDF: Angebot “Logiball Navigation - Software only”
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