Glunz: Mehr als nur ein neues Spanplatten- und OSB-Werk

  • 06. Dezember 2001
  • • Quelle: IHB-Internationale Holzboerse
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Eine neue Ära bei Glunz – davon ist Marketingdirektor Dr. Helmut Kern überzeugt. Dabei meint er nicht nur das neue OSB- und Spanplattenwerk im sachsen-anhaltinischen Nettgau, sondern die komplette Umstrukturierung nach der Übernahme durch die portugiesische Sonae Indústria-Gruppe. Ein modernes Unternehmen, das für die Herausforderungen des Marktes gewappnet ist. Dies wurde vergangene Woche auch durch das Ambiente des Präsentationsumfeldes deutlich: das Kunstmuseum Wolfsburg. Moderne Fotografien, Videoinstallationen und Ausstellungen über avantgardistische Architektur schienen Glunz passender als alte Meister. Eine Milliarde DM seit Übernahme durch Sonae Mit den finanziellen Ressourcen und dem industriellen Know-how der Sonae-Gruppe im Rücken sei man für die für den Wettbewerb in der kapitalintensiven Holzwerkstoffbranche gerüstet. "Wir können auf den Erfahrungsschatz aus 47 Fabriken in 15 verschiedenen Ländern auf drei Kontinenten bauen", trat Kern besonders den Zweiflern der Investition Nettgau mit dem Werk auf der grünen Wiese entgegen. Für ihn ist die 400 Mio. DM Investition (inkl. einer Fördersumme entsprechend den Vorgaben der EU-Kommission) in Sachsen-Anhalt vielmehr das Symbol für den Neuanfang. Insgesamt hat Sonae seit 1998 1 Mrd. DM bei Glunz investiert. Neue Unternehmensstrategie Viel wichtiger ist Kern jedoch die neue Unternehmensstrategie: Kern sieht Glunz besonders als nationalen Komplettanbieter der auf seine bekannten Markennamen setzt. Den Einkaufskooperationen auf der Händlerseite begegnet man mit einem gestrafften Vertrieb; die bisher selbstständigen Bereiche Handel/Bau und Fertighausindustrie wurden zusammengelegt, um vom Holzbau über Fertighausbis zur OSB-Schalungsplatte schlagkräftig auftreten zu können; eine zweite Abteilung hat die Möbelbranche im Visier. Bei Rohspanplatten und melaminbeschichteten Platten strebt man die Qualitätsführerschaft an. Mit einer zusätzlichen Nut- und Feder-Anlage in Kaisersesch, Zuschnitten bis 20 mal 25 cm in Nettgau sowie einer ausgebauten Dekorkompetenz (drei Kurztaktpressen in Nettgau) plus Kommissionierlager will Glunz verstärkt den Handel ansprechen. Mit Greenline hat man nun auch eine Marke für die Heimwerkermärkte. Beim MDF will Kern weg von den stark unter Druck geratenen Standardsortimenten. Die erfolgreiche Markteinführung der Innenwandplatte IWP im Rahmen des Agepan-Bausystems als Konkurrenz zu Gipskarton ist für ihn beispielhaft; an Spezialprodukten führe kein Weg vorbei. Zweifel an der Verkehrsanbindung Nur bei der Verkehrsanbindung des Nettgauer Werks konnte Glunz bislang nicht restlos überzeugen. Zwar liegt man in zentraler Lage zwischen Hamburg, Berlin und dem Ruhrgebiet in der waldreichen Altmark, Schiffahrtswege oder Verladebahnhöfe sind allerdings nur über die Straße per LKW zu erreichen. Lohn der Mühe 2002 Die Restrukturierungsmaßnahmen sollen sich im nächsten Jahr auswirken. Für 2001 erwartet Kern mit 600 Mio. DM einen Umsatz wie im Vorjahr. Glunz trägt damit knapp ein Fünftel zum 2,8 Mrd. DM Umsatz der Sonae Indústria bei. Allerdings werde das Ergebnis durch Sondereffekte negativ ausfallen, beugte der Marketing-Chef Überraschungen vor.
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