Forstlicher Unternehmertag: Postfaktisches Zeitalter erreicht den Wald

24. April 2018
Quelle:
IHB MK
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Forstlicher Unternehmertag 2018Am 22. März 2018 fand nach zwei Jahren wieder ein Forstlicher Unternehmertag in Freising statt. Es war die 21. Ausgabe des Branchentreffs der erstmals 1997 stattfand. Mittlerweile findet der Unternehmertag im jährlichen Wechsel mit der Tagung „Ressource Holz“ auf Schloss Hundisburg in Sachsen-Anhalt statt, die vom Fraunhofer IFF in Magdeburg ausgerichtet wird.

Gastgeber Prof. Eric Labelle, der die Professur für Forstliche Verfahrenstechnik leitet, musste sich von seinem Mitarbeiter Dr. Lorenz Breinig vertreten lassen, da er an dem Tag „akut Vater wurde“, wie Breinig erklärte. Erstmals war für die Zusammenstellung des Programms ein Organisationskomitee eingesetzt worden, was dem Programm sichtlich guttat. Knappe 300 Besucher kamen zum Unternehmertag, davon rund 50 Forstunternehmer. Erstmals wurde auch ein etwas kleinerer Saal gewählt, der die meiste Zeit gut gefüllt war. Moderiert wurde die Veranstaltung am Vormittag vom Geschäftsführer des Clusters Forst und Holz in Bayern Dr. Jürgen Bauer und am Nachmittag von Dr. Herbert Borchert von der LWF.

Zu Beginn sprach Robert Morigl, Leiter des Referats Holzwirtschaft, Forstvermögen, Forsttechnik am Bayerischen Landwirtschaftsministerium über das Verhältnis von Forstwirtschaft und Gesellschaft. Morigl vertrat Ministerialdirigent Dr. Hubert Bittlmayer, der an dem Tag an der Amtseinführung der neuen bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber teilnahm.

Robert MoriglMorigl betonte, dass vor allem die Kommunikation mit der Gesellschaft für die Forst- und Holzbranche immer mehr an Bedeutung gewinne. Zwar sei die Forstwirtschaft der natürlichste Form der Landnutzung, aber die 2,6 Millionen Hektar Wald in Bayern seien nicht durch Wachsenlassen, sondern durch Arbeit entstanden und deshalb eine Kulturlandschaft. Nur eine multifunktionale nachhaltige Waldbewirtschaftung erzeuge den größten Gesamtnutzen. Dazu gehören Einkommen für die Waldbesitzer, Rohstoffversorgung, aber auch Erholung, Lebensraum für tier- und Pflanzenarten und Schutz. Der Waldnaturschutz sei in die Waldbewirtschaftung integriert, betonte Morigl. Deshalb gelte das Grundprinzip des Schützens und Nutzens auf ganzer Fläche. Segretative Ansätze bezeichnete er als Irrweg.

Aus der Gesellschaft gebe es aber immer wieder und immer öfter kritische Stimmen. Zwar gehe die Sozialpflichtigkeit des Eigentums im Wald sehr weit. Die Gesellschaft suche aber im Wald die heile Welt – und dabei störe die Forstwirtschaft. Nichtfachleute beeinflussen zunehmend das politische handeln. Die Konsequenz: „Das postfaktische Zeitalter erreicht den Wald!“ Damit müsse man umgehen und sich das Vertrauen der Gesellschaft jeden Tag neu erarbeiten.

Die Struktur der Branche mit vorwiegend Kleinwaldeigentümern und kleinen Unternehmen mache die Organisation der Kommunikation nach außen nicht leichter. Neue Entwicklungen, beispielsweise in der holzbasierten Bioökonomie könnten hier aber Ansatzpunkte sein.

Schnittstelle zur Gesellschaft ist in vielen Fällen nicht der Förster, sondern der Forstunternehmer. Deren Arbeit werde, beispielsweise durch höhere Totholzanteile stetig anspruchsvoller. Gleichzeitig steigen auch die Ansprüche der Gesellschaft. Die Forstunternehmer sind also durch die aktuelle Entwicklung besonders gefordert.

Abschließend erklärte Morigl in der Diskussionsrunde, die Branche müsse zeigen, dass die Nutzung von Holz nicht Zerstörung, sondern Wertschöpfung ist, und erläuterte dies an vier Punkten:

  1. Am integrativen Ansatz führt kein Weg vorbei. Schutzziele im Wald sind auch mit Nutzung erreichbar, beispielsweise durch ein Netz von Naturwaldreservaten.
  2. Den Klimawandel ist nicht wegzureden. Mit ihm ist waldbaulich umzugehen. Er wird an die nächste Generation weitergegeben.
  3. Vermeintlich unlösbare Probleme müssen innerhalb der Branche gelöst werden. Dazu gehören die Ausschreibung, die Vergabepraxis und die Preisgestaltung. Ein Dauerbrenner, vor allem in Bayern. Wörtlich sagte Morigl: „Alle haben das Recht ein auskömmliches Einkommen zu erzielen.“ Ein Satz, für den er spontanen Applaus erntete.
  4. Der nächste bemerkenswerte Satz folgte sofort und bezog sich auf die Frage aus dem Publikum, wie immer größere Maschinen mit immer kleineren Waldflächen zusammenpassen: „Die Holznutzung hat sich am Waldbau zu orientieren. Wir brauchen waldgerechte Maschinen, nicht einen maschinengerechten Wald.“ Und abschließend, mit Bezug auf die Außendarstellung der Branche: „Eine Maschine, die wir der Gesellschaft nicht erklären können, wird nicht lange fahren.“