Forst- und Holzfirmen wollen gegen FSC vorgehen: „FSC ist Verbrauchertäuschung“

Quelle:
IHB MK
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Eine Gruppe von 25 deutschen Forst- und Holzfirmen haben sich über ein Anwaltsbüro an verantwortliche Politiker gewandt, um gegen den FSC vorzugehen. Sprecher des lockeren Zusammenschlusses ist Gerriet Harms, Inhaber der Firma Eurobinia in Oldenburg. Aus Sicht der Firmen stellt das FSC-Label eine Verbrauchertäuschung dar, da das FSC-Zertifikat nicht, wie der FSC behauptet, eine Garantie für Holz aus legaler und nachhaltiger Forstwirtschaft darstelle.

Harms wirbt auf seiner Internetseite eurobinia.de dafür, kein Holz mit FSC-Zertifikat zu kaufen. Dazu verwendet er ein durchgestrichenes FSC-Logo. Das Landgericht Braunschweig stellte in einem Urteil bereits 2010 fest, „dass das FSC-Zertifikat in der Tat kein Garant dafür ist, dass die damit versehenen Produkte aus nachhaltiger und legaler Forstwirtschaft herrühren“ (AZ: 9. O. 319/10). Der FSC hatte die Firma Eurobinia wegen unlauteren Wettbewerbs aufgrund der Verwendung des FSC-Logos verklagt. Die Klage wurde abgewiesen. Eine Berufungsklage hat der FSC 2011 zurückgezogen. Der Klagegrund sei ohnehin nur vorgeschoben gewesen, erklärt Gerriet Harms. Ziel sei eigentlich gewesen, die Kritik am FSC zu unterbinden.

Rechtsanwalt Rainer Munderloh, der die Gruppe in Rechtsfragen berät, wird noch deutlicher. Er sagt: „Der FSC nimmt für sich in Anspruch, den Herkunftsnachweis für Holz führen zu können. Das kann er aber nicht. Deshalb liegt hier ein klarer Fall von Verbrauchertäuschung vor.“ Insbesondere für ein Due-Diligance System wie die EUTR, das explizit einen Herkunftsnachweis verlangt, sei das FSC-Label damit völlig untauglich. Dennoch sei es politisch gewollt. Gerriet Harms bezeichnet dies ergänzend als „politischen Betrug“.

Dieser komme in verschärfter Form im „FSC Mix“ Label daher, dessen Halter nur 30% des verarbeiteten Holzes aus FSC-Herkünften beziehen müsse. 70% des FSC-Mix-Holzes komme aus ungeklärten Quellen. Die Mengen werden über ein FSC-Mengenkonto verwaltet, ergänzt Gerriet Harms. „Das heißt, im konkreten Fall ist möglicherweise in einem FSC-Mix-Produkt keine einzige Faser FSC-Holz enthalten.“ Darüber hinaus blieben Verstöße gegen FSC-Standards, beispielsweise in Brasilien, seitens des FSC ungeahndet.

Aus diesen Gründen hat sich die Gruppe der FSC Gegner jetzt an Politiker in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt gewandt, da in diesen Ländern Koalitionsverhandlungen laufen. Als Konsequenz aus den Missständen fordern die 25 Unterzeichner von den Politikern die Aufhebung der FSC-Zertifizierungen von Bundes- und Landesforsten sowie die Änderung der Beschaffungsrichtlinien des Bundes und der Länder.

Dieses Ziel dürfte nicht leicht zu erreichen sein. Denn der politische und gesellschaftliche Druck ist hoch. Deshalb, so Harms und Munderloh, möchten größere Firmen und Branchenverbände, die die Initiative der FSC-Gegner unterstützen, nicht öffentlich genannt werden.

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Kai Richter
Nicht erst seit dem Abgasskandal bei VW ist vielen klar geworden, dass Labels kein Garant für Qualität sind. Mit zunehmender Marktmacht verfallen so ziemlich alle der Verlockung sich unlauter Vorteile zu verschaffen. Im Fall FSC noch von Nachhaltigkeit zu sprechen ist ein Hohn. Großartig, wenn der FSC ein Image als Waldschützer hat aber am Ende dem Verbraucher nur eine verdünnte Lösung vorgesetzt wird. Ein Schelm wer Böses dabei denkt! Vielen Dank für die ehrenwerten Absichten aller Beteiligten.