AGDW fordert effektivere Schädlingsbekämpfung im Wald

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AGDW/IHB
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Am Montag, 15. Mai, hatte die AGDW – Die Waldeigentümer Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden zu einer Veranstaltung zum Thema „Zukunftsfähiger Waldschutz – Strategien zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Forst“ eingeladen. Grund für die Veranstaltung, an der rund 50 Gäste teilgenommen hatten, ist die rasante Verbreitung von Schädlingen wie Eichenprozessionsspinner oder Kiefernbuschhornblattwespe - unter anderem als Folgen des Klimawandels. Diese können nur mit Pflanzenschutz wirksam bekämpft werden, so die AGDW.

Gemeinsam mit Politik, Industrie und Verwaltung müsse man zu pragmatischen und realitätsnahen Lösungen kommen, um die Wälder zu schützen und dem gesetzlichen Auftrag des Walderhalts nachkommen zu können, sagte AGDW-Präsident Philipp zu Guttenberg bei der Eröffnung der Veranstaltung. Er betonte, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer nur eine ultima ratio sei, wenn nichts Anderes mehr helfe.

Zu Guttenberg kritisierte, dass keine der zuständigen Behörden der Einladung zu der Veranstaltung gefolgt waren. Weder das Bundesumweltministerium noch das Umweltbundesamt oder das Bundesamt für Naturschutz haben teilgenommen.

Dr. Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, machte deutlich, dass der Schädlingsbefall eines Waldes die Arbeit von Generationen zerstören kann. Deshalb seien bei diesem Thema Lösungen nötig. Bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln herrsche Genehmigungsstau. Die Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Union, Gitta Connemann, zitiert dazu aus einem aktuellen Audit-Bericht der EU-Kommission. Danach brauchen deutsche Behörden für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln statt der vorgegebenen 120 Tage durchschnittlich 757 Tage. 2015 sei keiner der 229 Anträge fristgerecht entschieden worden. Das bedeute auch Rechtsunsicherheit für die Hersteller von Pflanzenschutzmitteln

Die Verschleppung von Zulassungen führe zu Verzögerungen bei der Bekämpfung oder verhindere sie gar. Die Folge könnten gesundheitliche Schäden sein, wie Dr. Marion Wunderlich, Fachärztin für Neurologie und Psychologie vom Gesundheitsamt im Landkreis Lüneburg, anhand der Wirkung des Gift des Eichenprozessionsspinners beschrieb.

Gravierender dürften die wirtschaftlichen Schäden ausfallen, die bei einer nicht oder zu spät erfolgten Bekämpfung entstehen. So werden Restriktionen bei der Bekämpfung beklagt, wie eine Flächenquote von 50%, starre Abstandsflächen oder die Ausnahme von Naturschutzgebieten. Forstvertreter vor allem aus Brandenburg, das in der jüngsten Vergangenheit stark unter Insektenkalamitäten zu leiden hatte, fordern Schadenersatz für Waldbesitzer, deren Flächen zerstört sind, weil kein rechtzeitiger Einsatz von Pflanzenschutz erfolgt ist.

Prof. Dr. Bernhard Möhring von der Abteilung Forstökonomie an der Georg-August-Universität Göttingen präsentierte einen Überblick über die ökonomischen Verluste für die Forstwirtschaft. Das Ergebnis in einem Kiefernwald sei ein finanzieller Schaden von rund 3800 Euro pro Hektar, wenn die Bäume vor ihrer Erntereife gefällt werden. Hinzukäme die Wiederaufforstung, die bei rund 3400 Euro pro Hektar liegen würde. Das Absterben eines Bestandes oder frühzeitiger Einschlag sei existenzbedrohend für Forstbetriebe, es werden die Gewinne der nächsten 50-100 Jahre vernichtet, so Möhring. Eine Behandlung geschädigter Waldflächen sei daher dringend notwendig.

AGDW-Präsident Philipp zu Guttenberg stellte am Ende der Veranstaltung einen Forderungenkatalog mit 18 Forderungen vor, darunter:

  • Im Fokus steht die Forderung nach einem Entschädigungsfonds für Waldeigentümer, deren Wald aufgrund fehlender oder verschleppter Genehmigungen von Pflanzenschutz zerstört wird.
  • Auch fordert die AGDW einen staatlich finanzierten Fonds, der für die Bereitstellung ausreichender Mittel sorgt.
  • Wichtig ist zudem ein Monitoring, das die Schadflächen bundesweit erfasst.
  • Die Festsetzung von Abstandsauflagen sowie der Vorgabe, nur 50 Prozent der Fläche zu behandeln, muss abgeschafft werden.
  • In die Forschung von wirksamem Pflanzenschutz muss investiert werden.
  • Der Zulassungsstau geeigneter Mittel muss behoben werden. 
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